Notfälle

Hyperosmolares Dehydratationssyndrom & hyperglykämische, hyperosmolare Entgleisung (HHE)

Die hyperglykämische, hyperosmolare Entgleisung, auch bekannt als hyperosmolare Koma, ist ebenfalls eine akute Komplikation in Folge anhaltend hoher Blutzuckerspiegel. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes auf, deren Bauchspeicheldrüse noch gerade so viel Insulin produziert, dass zwar ein vermehrter Fettabbau, nicht aber eine vermehrte Produktion von Glukose (Zucker) in der Leber unterdrückt werden kann. Die Folge: Die Konzentration von Glukose im Blut steigt stark an – oft bis über 600 mg/dl (33,3 mmol/l).

Bei derart hohen Konzentrationen scheidet der Körper Glukose mit dem Urin aus, da die Niere diese nicht mehr in den Körper zurückführen kann. Mit der Glukose wird Wasser ausgeschieden, der Körper verliert zunehmend Flüssigkeit. Kann dieser Verlust nicht ausgeglichen werden, kommt es zur Austrocknung der Körperzellen, die dann nicht mehr auf den Insulinreiz reagieren können.

Ein solches hyperosmolares Dehydratationssyndrom wird oftmals begünstigt oder auch ausgelöst durch Infektionen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Medikamente wie Entwässerungsmittel oder Cortison. Wird es nicht behandelt, kann es zu komplexen Stoffwechselentgleisungen mit Bewusstlosigkeit, Kreislaufzusammenbruch und akutem Nierenversagen führen, dem hyperosmolaren Koma. Dieses tritt schleichend ein, es ist jedoch ein akuter Notfall mit Lebensgefahr für den Patienten.

Anzeichen für ein beginnendes hyperosmolares Koma sind u.a.:

  • starker Harndrang
  • starker Durst
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • niedriger Blutdruck
  • hoher Puls

Sie können sich zu Schwindel, Krampfanfälle, Sehstörungen und Bewusstlosigkeit entwickeln.

Therapie

Das hyperosmolare Dehydratationssyndrom und das hyperosmolare Koma werden auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Wichtigste Maßnahme ist der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytmangels, außerdem erhält der Patient Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu korrigieren.

Prävention

Zur Vorbeugung eines hyperosmolaren Dehydratationssyndrom ist es wichtig, dass der Betroffene sich mit seiner Krankheit auskennt und sie richtig behandelt. Eine ungenügende Insulinversorgung muss vermieden werden – dazu kann es kommen, wenn der Betroffene nicht genügend blutzuckersenkende Tabletten nimmt, die Therapie mit Tabletten nicht mehr ausreicht und er Insulin spritzen müsste oder auch, wenn er zu geringe Insulinmengen spritzt. In besonderen Situationen wie bei Infektionen kann ein erhöhter Insulinbedarf bestehen. Ist der Betroffene umfassend informiert, kann er seine Therapie gemeinsam mit seinem Arzt entsprechend anpassen und so eine adäquate Stoffwechsellage erreichen.

 

Quellen:
Avichal D et al. Hyperosmolar Hyperglycemic State. Medscape 2017. Retrieved from https://emedicine.medscape.com/article/1914705-overview

Kalscheuer H et al. Diabetic emergencies : Hypoglycemia, ketoacidotic and hyperglycemic hyperosmolar nonketotic coma. Internist 2017 (Berl); 58: 1020-1028

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Klinische Studien