Schwangerschaftsdiabetes

Hohe Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft können auf erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hindeuten

Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Dieses Risiko besteht unabhängig davon, ob sich nach der Geburt ein Typ-2-Diabetes entwickelt oder nicht. Bei den betroffenen Frauen sollten Risikofaktoren überwacht und frühzeitig behandelt werden.

Schon lange ist bekannt, dass Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) erkranken, ihr Leben lang ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko haben. Kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass bei diesen Patientinnen auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskulären Erkrankungen) besteht. Ob dies zusammenhängt, war bislang unklar.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Universität von Toronto, Kanada, haben diese mögliche Verbindung untersucht. Sie werteten Daten von mehr als 5 Millionen Patientinnen aus, die aus 9 in den letzten 6 Jahren veröffentlichten Studien stammen. Bei mehr als 100.000 Teilnehmerinnen wurde im Studienverlauf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung festgestellt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren. Das Forschungsteam hat außerdem geprüft, ob das erhöhte Risiko nur bei Frauen bestand, die nach der Geburt einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten.

Herz-Kreislauf-Risiko doppelt so hoch

Die systematische Überprüfung zeigte einen konstanten Zusammenhang von erhöhten Blutzuckerspiegeln (Blutglukosespiegeln) in der Schwangerschaft und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko nach der Geburt. Frauen mit der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes hatten in den Folgejahren und -Jahrzehnten ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie die übrige weibliche Bevölkerung ihres Alters. Die Entwicklung einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung nach der Geburt hatte keinen wesentlichen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko.

Besonders groß war das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in den ersten 10 Jahren nach der Geburt, nämlich 2,3-mal höher als bei Frauen, deren Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft nicht erhöht waren. Dieses Ergebnis ist interessant, da bei Frauen im gebärfähigen Alter im Allgemeinen kein hohes Herz-Kreislauf-Risiko vermutet wird.

Fazit: Bei junger Risikogruppe frühzeitig vorbeugen

Die Forschenden beobachteten einen Zusammenhang zwischen erhöhten Blutzuckerspiegeln in der Schwangerschaft und einem erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in den Folgejahren nach der Geburt. Die betroffenen Frauen sollten deshalb frühzeitig betreut werden, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes sind somit eine relativ junge Risikogruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unabhängig ob ein Typ-2-Diabetes nach der Geburt auftritt. Diese Frauen sollten Risikofaktoren wie erhöhten Blutdruck oder erhöhte Blutfette im Blick behalten und auch behandeln lassen. Das gilt auch für Frauen mit nur einer leichten Störung des Zuckerstoffwechsels (Glukoseintoleranz) in der Schwangerschaft.

 

Quelle:
Kramer CK et al. Gestational diabetes and the risk of cardiovascular disease in women: a systematic review and meta-analysis. Diabetologia 2019 (online)

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Klinische Studien