Herz-Kreislauf

Herzgesundheit bei Typ-2-Diabetes

Forschungsergebnisse der letzten Jahre bestätigen, dass Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten eng miteinander verbunden sind. Wissenschaftler haben jetzt errechnet, bei wie vielen Menschen mit Typ-2-Diabetes gleichzeitig ernstzunehmende Herz-Kreislauf-Krankheiten vorliegen.

Diabetes ist einer der größten Feinde des Herzens

Menschen mit Diabetes haben zusätzlich zu anderen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Rauchen ein erhöhtes Risiko, das nicht nur Schädigungen der kleinen, sondern auch der großen Blutgefäße im Körper betrifft. Dies kann zu ernsthaften Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Atherosklerose („Arterienverkalkung“)
  • Koronare Herzkrankheit (Sauerstoff-Minderversorgung des Herzmuskels wegen verengter Herzkranzgefäße) mit einem Herzinfarkt als Folge
  • Herzinsuffizienz („Herzschwäche“)
  • Zerebrale Ischämie (Minderdurchblutung des Gehirns) mit einem Schlaganfall als Folge
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Minderdurchblutung der Beine, abgekürzt pAVK, „Schaufensterkrankheit“)

Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit Diabetes für bis zu 30 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.

Große Studie aus Dänemark untersucht Zahlen

Eine Studie aus Dänemark hat untersucht, wie häufig Herz-Kreislauf-Krankheiten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auftreten. In Allgemeinarztpraxen erhoben Wissenschaftler die Daten von 17.113 Patienten mit Typ-2-Diabetes. Rund ein Drittel dieser Personen waren Frauen. Viele Patienten wiesen deutliches Übergewicht auf: Der mittlere Body Mass index (BMI) betrug 30,1 kg/m2. Bei rund einem Drittel war die Diabeteserkrankung seit mehr als 10 Jahren bekannt und 51 Prozent waren Raucher oder Ex-Raucher. Der durchschnittliche HbA1c-Wert lag bei 6,9% (52,3 mmol/mol).

Mehr als jeder fünfte Mensch mit Typ-2-Diabetes ist hochgradig gefährdet

Das Ergebnis der Auswertungen zeigte, dass in den Allgemeinarztpraxen 3.665 Personen mit einem Typ-2-Diabetes gleichzeitig mindestens eine ernstzunehmende Herz-Kreislauf-Erkrankung aufwiesen – das waren 21,4 Prozent aller ausgewerteten Patienten mit Typ-2-Diabetes. Die häufigsten Diagnosen bei den Herz-Kreislauf-Krankheiten waren koronare Herzkrankheit mit Engegefühl und Schmerzen in der Brust (32,9%), gefolgt von Minderdurchblutung des Gehirns bis hin zum Schlaganfall (30,6%) und Herzinfarkt (25,7%).

Da die Herz-Kreislauf-Funktion eng mit dem Blutdruck, einem normalen Herzrhythmus und der Nierenfunktion verbunden ist, wurden auch diese Werte betrachtet. Einen Bluthochdruck hatten 66,6 Prozent der Personen mit Typ-2-Diabetes. Vorhofflimmern (d. h. eine Herzrhythmusstörung mit ungeordneter Tätigkeit der Herzvorhöfe) war bei 18,8 Prozent der Patienten bekannt. Jeder fünfte Patient mit einem Typ-2-Diabetes wies bereits Einschränkungen der Nierenfunktion auf.

Erkrankungen der Gefäße und des Herzens treten nicht immer erst nach langjähriger Diabeteserkrankung auf. Bei den Auswertungen fiel auf, dass entsprechende Herz-Kreislauf-Komplikationen auch bei einer kürzeren Diabetesdauer (d. h. weniger als 5 Jahre seit Diagnose) durchaus häufig (bei etwa 30% der Teilnehmer) auftraten.

Das Fazit der Studienautoren: Mehr als 20 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes wiesen in der dänischen Studie eine oder mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Zum Vergleich: Bei altersgleichen Personen ohne Diabetes liegt dieser Prozentsatz bei „nur“ 8 Prozent. Angesichts der möglichen ernsten Folgen ist es besonders wichtig, ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko bei Menschen mit Typ-2-Diabetes rechtzeitig zu erkennen.

 

 

Quelle:
Rungby J et al. Prevalence of cardiovascular disease and evaluation of standard of care in type 2 diabetes: a nationwide study in primary care. Cardiovasc Endocrinol 2017; 6: 145-151

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Klinische Studien