Typ-1-Diabetes

Gute Blutzuckerkontrolle senkt Infektionsrisiko

Infektionen sind häufige Folgen einer Diabetes-Erkrankung. Ein Forschungsteam in Großbritannien zeigte anhand von Daten einer großen Beobachtungsstudie, dass das nicht mit der Diabetes-Dauer, sondern mit einem zu hohen Blutzucker-Langzeitwert zusammenhängt.

Was sind Infektionen?

Fachleute sprechen von einer Infektion, wenn sich eine Person mit einem Krankheitserreger angesteckt hat. Ein Krankheitserreger kann beispielsweise ein Virus oder ein Bakterium sein. Dieser vermehrt und verbreitet sich im gesamten Körper oder befällt ein bestimmtes Organ. Manchmal führt eine Infektion zu starken Entzündungsreaktionen.

Menschen, die an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind, haben ein höheres Infektionsrisiko als Menschen ohne Diabetes. Zum genauen Zusammenhang von Diabetes-Erkrankung und Infektionsrisiko gibt es bis dato nur wenige Untersuchungen; insbesondere bei älteren Menschen. Zudem wurden die Erkenntnisse aus vorherigen Studien möglicherweise dadurch verfälscht, dass der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) unmittelbar nach dem Auftreten einer Infektion gemessen wurde. Durch eine Infektion kann dieser nämlich stark ansteigen.

Daten von mehr als 85.000 Menschen mit Diabetes untersucht

Um die Bedeutung der Diabetes-Erkrankung und des Blutzucker-Langzeitwerts für das Infektionsrisiko genauer beziffern zu können, hat ein Forschungsteam aus London Daten von mehr als 85.000 Menschen mit Typ-1- (rund 4.500) sowie Typ‑2‑Diabetes analysiert. Bei allen Teilnehmenden, die in einer großen britischen Datenbank registriert waren, lagen über 4 Jahre mehrere Messungen des Blutzucker-Langzeitwerts vor. Verglichen wurden diese Daten mit Daten von mehr als 150.000 Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechts, die nicht an Diabetes erkrankt waren. Insgesamt wurden 18 häufige und seltene Infektionen untersucht, die mit Medikamenten behandelt werden mussten, einen Krankenhausaufenthalt erforderten oder zum Tod führten. Darunter befanden sich Entzündungen von Knochen und Gelenken, Blutvergiftung (Sepsis), Haut- oder Darminfektionen.

Infektionsgefahr bei Typ-1-Diabetes größer

Nach der Datenanalyse stellte sich heraus, dass sowohl Menschen mit gut als auch Menschen mit schlecht kontrolliertem Diabetes häufiger durch Infektionen im Krankenhaus lagen als gesunde Kontrollpersonen. Am meisten gefährdet waren Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes und schlecht eingestelltem Blutzucker (Blutglukose). Bei ihnen war das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Infektion im Vergleich zu gesunden Menschen um das 8,5-Fache erhöht. Mit ansteigendem Blutzucker-Langzeitwert stieg das Infektionsrisiko langfristig an. Das galt für jüngere genau wie für ältere Menschen. Beispielsweise gingen etwa die Hälfte aller Knochen- und Gelenksinfektionen auf eine schlechte Blutzuckerkontrolle zurück. Es ist bekannt, dass diabetische Fußwunden sehr oft mit Infektionsrisiken einhergehen. In der Studie waren bei der Hälfte der Gelenks- und Knocheninfektionen die Füße betroffen. Aber auch die Risiken anderer schwerer Infektionen wie Tuberkulose oder einer Blutvergiftung stiegen mit hohen Blutzucker-Langzeitwerten.

Fazit: Blutzuckerkontrolle schützt vor Infektionen

Das britische Forschungsteam vermutet einen ursächlichen Zusammenhang zwischen schlechter Blutzuckerkontrolle und erhöhtem Infektionsrisiko. Zu hohe Blutzuckerwerte könnten etwa die Immunabwehr des Körpers beeinträchtigen, argumentieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Um also Infektionen und deren Folgen rechtzeitig vorzubeugen, ist eine zuverlässige Blutzuckereinstellung wichtig.

 

Quelle:

Critchley JA et al: Glycemic Control and Risk of Infections Among People With Type 1 or Type 2 Diabetes in a Large Primary Care Cohort Study. Diabetes Care 2018; 41: 2127-2135.

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Klinische Studien