Prävention

Grundschüler für ausgewogene Ernährung sensibilisieren

In dreitägigen praktisch orientierten Workshops haben Düsseldorfer Schüler, die Mehrheit mit Migrationshintergrund, viel über ausgewogene Ernährung und deren Zubereitung gelernt. Solche Schulungen könnten das Ernährungswissen von Kindern und damit vielleicht auch die Ernährungsgewohnheiten in den Familien positiv beeinflussen, hoffen die Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben.

Gesunde Ernährung spielt bei der Prävention von chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus eine entscheidende Rolle. Der Grundstein für ein ausgewogenes Essverhalten wird schon in der frühen Kindheit gelegt. Vorherige Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Kinder mit Migrationshintergrund häufiger ungesünder ernähren und übergewichtig sind als Kinder, die in deutschen Familien aufwachsen.

Küche im Klassenzimmer

Experten für Ernährung und Diabetes, unter anderem vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf, wollten herausfinden, ob sich das Wissen über ausgewogene Ernährung und die „Küchenkompetenz“ von Schülern durch einen Ernährungs-Workshop verbessern lassen. In zehn dritten und vierten Klassen an acht Düsseldorfer Grundschulen nahmen insgesamt 166 Kinder, 73 Prozent von ihnen mit Migrationshintergrund, an einer Ernährungsschulung teil. Die Schulung wurde von angehenden Diätassistenten in den Klassenräumen der Schüler an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt. Dabei lernten die Kinder wie man mit Lebensmitteln und Küchengeräten umgeht, aus welchen Bausteinen die Ernährungspyramide besteht, wie man kleine Gerichte zubereitet und welche Hygieneregeln beim Zubereiten von Speisen beachtet werden müssen.

Insgesamt drei Mal – vor der Intervention, kurz nach dem Bestehen des „Ernährungsführerscheins“ und drei Monate später – beantworteten die Schüler Fragen zu ausgewogener Ernährung, ihrem Essverhalten und zum Zubereiten von gesunden Gerichten. Verglichen wurden die Antworten mit denen von neun Kontrollklassen (139 Kinder, 76% mit Migrationshintergrund), die den „Ernährungsführerschein“ nicht gemacht hatten.

Wissen, was in die Schulbrotdose gehört

Unmittelbar nach der Schulung hatten sich das Ernährungswissen und die „Küchenkompetenz“ der Schüler deutlich verbessert. Viele kannten jetzt beispielsweise die täglichen empfohlenen Mengen an Milch und Käse, Obst und Gemüse, Wasser und ungesüßtem Tee oder Süßigkeiten, wussten, dass man Säfte am besten mit Wasser mischt, dass Milch Knochen und Zähne kräftigt, dass Brot aus Vollkorn besser ist als Brot aus raffiniertem Getreide und es sich bei einer „Kindermilchschnitte“ um eine Süßigkeit handelt. Zudem achteten nun mehr Kinder auf das Händewaschen vor einer Mahlzeit. Die Befragung beider Gruppen nach drei Monaten ergab, dass die Kinder mit „Ernährungsführerschein“ besser Bescheid wussten über ausgewogenes Essen sowie dessen Zubereitung und eine größere Verbesserung in ihrer „Küchenkompetenz“ zeigten als die Vergleichsgruppe, die den Workshop nicht absolviert hatte.

Fazit der Autoren: Ernährungserziehung soll Schule machen

Nach der erfolgreichen Kurz-Intervention an Düsseldorfer Grundschulen sind die Wissenschaftler überzeugt, dass sich praktisch orientierte Workshops an Schulen gut dafür eignen das Ernährungswissen von Kindern, insbesondere von Schülern aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund, zu stärken. Sie sind sich aber einig, dass die Schulungen verlängert und die Eltern stärker involviert werden sollten, um ein ausgewogenes Essverhalten in den Familien zu fördern und so Krankheiten wie Diabetes vorzubeugen.

 

Quelle:
Weber KS et al. Positive Effects of Practical Nutrition Lessons in a Primary School Setting with a High Proportion of Migrant School Children. Exp Clin Endocrinol Diabetes (online) 3.8.2018 http://dx.doi.org/10.1055/a-0661-1919

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Klinische Studien