Prävention

Gewichtsabnahme bis zur Pubertät reduziert Diabetes-Risiko im Erwachsenenalter

Übergewichtige oder adipöse Kinder, die bis zur Pubertät so viel Körpergewicht abnehmen, dass sie ihr Normalgewicht erreichen, können ihr Risiko an Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken deutlich senken. Das hat eine große dänische Langzeitstudie gezeigt, die in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Es ist bekannt, dass übergewichtige und adipöse Kinder im Erwachsenenalter häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken als normalgewichtige Kinder. Bis dato sind die Auswirkungen von Gewichtsverlust oder -zunahme vom Kindes- bis zum jungen Erwachsenenalter nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Entwicklungsphase in der Pubertät kann sich sensibel auf das Diabetes-Risiko auswirken. Übergewicht spielt eine wichtige Rolle für das Diabetes-Risiko während der Pubertät, weil in dieser Phase die Insulinsensitivität aufgrund der vom Körper freigesetzten Wachstumshormone sinkt. In einer Langzeitstudie in Dänemark mit insgesamt mehr als 62.500 ausschließlich männlichen Teilnehmenden wurden diese zeitlichen Zusammenhänge untersucht. Die Daten der Analyse zum Body-Mass-Index (BMI, Angabe in kg/m²) der Kinder und Jugendlichen stammen aus einem nationalen Gesundheitsregister, in das von 1930-1989 jährlich unter anderem Gewicht und Größe aller Schulkinder in Kopenhagen aufgenommen wurden. Mit Hilfe von 2 weiteren Registern wurde sowohl der BMI als auch die Erkrankung mit Typ-2-Diabetes bei jungen Männern erfasst. Die BMI-Grenzen für Übergewicht und Adipositas wurden an die jeweilige Altersgruppe angepasst.

Im Alter von 7 Jahren waren 5,4 %, im Alter von 13 Jahren 5,5 % und im jungen Erwachsenenalter 8,2 % der Teilnehmenden übergewichtig. Erwartungsgemäß stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Adipositas in jungen Jahren und dem Typ-2-Diabetes-Risiko im Alter von 30-60 Jahren fest. Bei Männern, die zwar als 7-jährige übergewichtig waren, jedoch bis zum 13. Lebensjahr durch Abnehmen ihr Normalgewicht erreichten, wiesen kein erhöhtes Diabetes-Risiko mehr auf. Diese Teilnehmendengruppe hatte ein ebenso hohes Risiko als Erwachsene an Typ-2-Diabetes zu erkranken wie Männer, die im Laufe ihres Lebens nie übergewichtig waren. Diejenigen, die in ihrer Kindheit und Jugend übergewichtig waren und erst nach der Pubertät Gewicht verlieren konnten, hatten dagegen im Vergleich zu Person, die nie übergewichtig waren, ein 47 % höheres Diabetes-Risiko. Allerdings war ihr Risiko immer noch niedriger als das von Männern, die in jeder Lebensphase übergewichtig waren. Diese wiesen im Vergleich zu Personen, die lebenslang normalgewichtig waren, ein 4-fach höheres Diabetes-Risiko auf.

Adipositas per se zeigte einen großen Einfluss auf das Diabetes-Risiko. Kinder, die ihr Gewicht bis zum jungen Erwachsenenalter soweit reduzieren konnten, dass sie nicht mehr als adipös galten, konnten ihr Diabetes-Risiko halbieren. Ungeachtet des Gewichts im Kindesalter sind besonders Männer, die im jungen Erwachsenenalter als adipös galten, gefährdet an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Fazit: Übergewicht in der Kindheit ist reversibel

Übergewicht in der Kindheit hat also nach den neuen Erkenntnissen der dänischen Langzeitstudie nur dann negative Auswirkungen auf das Diabetes-Risiko, wenn es bis zur Pubertät oder sogar bis zum Erwachsenenalter besteht. Es lohnt also überschüssiges Körpergewicht möglichst früh in der Kindheit, idealerweise vor der Pubertät, zu verlieren, um das Diabetes-Risiko und damit auch das Risiko für Folgeerkrankungen, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems, zu reduzieren.

 

Quelle:
Bjerregaard LG et al. Change in Overweight from Childhood to Early Adulthood and Risk of Type 2 Diabetes. New Engl J Med 2018; 378:1302-1312

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Klinische Studien