Meldungen zur Therapie

Frühzeitig Medikamente kombinieren bei Typ-2-Diabetes

Wie wirksam ist die blutzuckersenkende Therapie bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes? Und wann sollte die Therapie angepasst werden? Aufschluss gibt eine Übersichtsarbeit zu Datenauswertungen aus Primärarztpraxen (z. B. Hausärztin und Hausarzt).

Das Ziel: Folgeerkrankungen vermeiden

Eines der wichtigsten Ziele in der Behandlung des Typ-2-Diabetes ist das Verzögern oder Vermeiden von Folgeerkrankungen. Durch eine optimale Blutzuckereinstellung lassen sich diabetesbedingte Folgeerkrankungen deutlich verringern. Das hatte in der Vergangenheit die bekannte UKPD (United Kingdom prospective diabetes study)-Studie eindrucksvoll gezeigt, bei der Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes mehr als 20 Jahre lang beobachtet wurden.

Für Betroffene mit Typ-2-Diabetes ist es entscheidend, dass der individuell vereinbarte Langzeit-Blutzucker (HbA1c)-Zielwert unbedingt eingehalten wird. Dieser beträgt in der Regel zwischen 6,5 und 7,5 %
(48-59 mmol/mol). Bei älteren Patientinnen und Patienten kann der Zielwert unter Umständen auch höher liegen.

Blutzuckereinstellung hat sich in Deutschland verbessert

In den letzten Jahren hat sich die Qualität der Stoffwechseleinstellung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland verbessert. Mittlerweile erreichen rund 65 % der Betroffenen im Alter von 45-79 Jahren einen Blutzucker-Langzeitwert unter 7 % (53 mmol/mol) – unabhängig von der Art der blutzuckersenkenden Therapie.

Zu dieser positiven Entwicklung haben sicherlich auch die strukturierten Behandlungsprogramme und der Einsatz neuer Wirkstoffe beigetragen. Die Verschärfung der Diagnose-Kriterien hat außerdem zu einer frühzeitigeren Diagnose von Menschen mit Typ-2-Diabetes geführt. Dies verbessert wiederum die Chancen für eine optimale Blutzuckereinstellung.

Therapieziel erfordert oft frühzeitige Kombination von Medikamenten

Meistens lässt sich der HbA1c-Zielwert mit einem einzigen Medikament nicht dauerhaft halten: Mit längerer Diabetes-Dauer nimmt die Funktion der insulinherstellenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse ab, während die Insulinresistenz der Körperzellen zunimmt. Dies hat einen Anstieg des Blutzuckerspiegels zur Folge – trotz Medikation. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, das Medikament zu wechseln oder zwei verschiedene blutzuckersenkende Präparate zu kombinieren.

Bei Betroffenen, deren Blutzucker-Langzeitwert bei Diabetes-Diagnose über 7,0 % liegt, ist das Risiko erhöht, dass sie bereits im ersten Behandlungsjahr eine weitere Anpassung ihrer Therapie benötigen. Auch eine ausgeprägte Insulinresistenz oder eine verringerte Insulinausschüttung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass bereits rasch der Wechsel zu einer Kombinationstherapie notwendig wird.

Entscheidend ist der HbA1c-Wert zu Beginn der Behandlung

Der Blutzucker-Langzeitwert zu Therapiebeginn hat bedeutenden Einfluss darauf, wie gut die Stoffwechseleinstellung im weiteren Verlauf der Diabetes-Erkrankung ist. Bei Diabetes-Betroffenen, die den individuell festgelegten HbA1c-Zielwert nicht innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erreichen, begünstigen eine frühe Intensivierung der blutzuckersenkenden Behandlung sowie ein niedriger Body-Mass-Index (BMI) die Absenkung und spätere Stabilisierung des HbA1c-Werts. Weitere Einflussfaktoren stellen das Alter und Geschlecht sowie die Zeit seit der Typ-2-Diabetes-Diagnose dar.

International empfehlen Diabetes-Expertinnen und -Experten bei keiner optimalen Blutzuckereinstellung die frühe Kombinationstherapie beim Typ-2-Diabetes, um eine möglichst optimale Stoffwechseleinstellung zu erreichen.

Basalinsulinunterstützte orale Therapie (BOT)

Wenn der Blutzucker-Langzeitwert mit anderen blutzuckersenkenden Maßnahmen nicht ausreichend abgesenkt werden kann, wird bei manchen Patientinnen und Patienten eine Basalinsulinunterstützte orale Therapie (BOT) begonnen. Bei der BOT spritzen die Betroffenen zusätzlich zu Tabletten einmal täglich Insulin.

Der Erfolg einer BOT wird möglicherweise vom Blutzucker-Langzeitwert zu Therapiebeginn, der Diabetes-Dauer und dem BMI beeinflusst. Diese Behandlungsstrategie ist daher eher für Patientinnen und Patienten mit einer längeren Diabetes-Dauer, einem nicht zu hohen Blutzucker-Langzeitwert und einem normalen
BMI (18,5-24,9 kg/m²) geeignet. Außerdem sollten die Personen keine Probleme mit der Insulininjektion haben.

Das Fazit der Datenauswertungen aus Primärarztpraxen

  • Nach Diagnose eines Typ-2-Diabetes ist eine frühe Absenkung des erhöhten Blutzuckerspiegels anzustreben. Das frühe Erreichen einer möglichst guten Stoffwechselkontrolle ist wichtig für die zukünftige Entwicklung des Blutzucker-Langzeitwertes
  • Wenn der Blutzucker-Langzeitwert im Behandlungsverlauf über den individuell vereinbarten Zielwert, in der Regel auf Werte über 7 % (53 mmol/mol) ansteigt, sollte die Therapie frühzeitig intensiviert werden, zum Beispiel durch die Kombination verschiedener blutzuckersenkender Medikamente.

 

Quelle:
Jacobs E et al. Effektivität der glukosesenkenden Therapie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes in primärärztlichen Praxen. Diabetologe 2018 (online)

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Klinische Studien