Typ-1-Diabetes

Frühe Typ-1-Diabetes-Erkrankung kann Herz und Blutgefäße schädigen

Patienten mit Typ-1-Diabetes, die schon seit ihrer Kindheit mit der Erkrankung leben, sollten ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit regelmäßig kontrollieren lassen. Denn ihre Risiken für Herzinfarkte, Schlaganfälle und eine Herzinsuffizienz sind um ein Vielfaches erhöht, wie eine schwedische Studie zeigt.

Zahlreiche langjährig an Typ-1-Diabetes erkrankte Menschen entwickeln eine koronare Herzkrankheit (KHK), einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Inwiefern das Diagnosealter für das Herz-Kreislauf-Risiko eine Rolle spielt, haben schwedische Wissenschaftler an der Universität von Göteborg untersucht. In einer großen nationalen Kohortenstudie haben sie Daten von 27.195 Patienten mit Typ-1-Diabetes aus dem Schwedischen Nationalen Diabetes-Register (Durchschnittsalter: 29 Jahre) mit denen gleichaltriger Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung verglichen. Je nach ihrer Diabetes-Erstdiagnose wurden die Patienten in 5 Gruppen unterteilt; Diagnose im Alter von 0-10, 11-15, 16-20, 21-25 und 26-30 Jahren.

Über einen Zeitraum von 10 Jahren hat die schwedische Forschergruppe nun analysiert, wie häufig kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, KHK, Herzschwäche und Vorhofflimmern in den einzelnen Patienten-Untergruppen sowie bei den jeweiligen Kontrollpersonen auftraten. Zudem haben sie allgemeine und kardiovaskuläre Todesfälle, also Sterbefälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, registriert.

Frühe Diabetes-Diagnose lässt Herzinfarktrate ansteigen

Alle untersuchten Erkrankungen mit Ausnahme von Vorhofflimmern traten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Die Risikoerhöhungen waren teilweise beträchtlich, insbesondere für Herzinfarkt und KHK. Weitere Erkenntnisse der schwedischen Wissenschaftler: Das Alter zum Zeitpunkt der Erstdiagnose scheint für die kardiovaskuläre Gesundheit im jungen Erwachsenenalter tatsächlich eine wichtige Rolle zu spielen. Das Risiko einer KHK etwa war bei Patienten, die ihre Diabetes-Diagnose schon sehr früh, also im Alter von höchstens zehn Jahren, erhielten, 30-Mal höher als in der Kontrollgruppe. Bei einem Diagnosealter von 26-30 Jahren bestand ein sechsfach erhöhtes Risiko. Der gleiche Zusammenhang – junges Diagnosealter = größtes Risiko – zeigte sich bei allen untersuchten Herz-Kreislauf-Erkrankungen außer beim Vorhofflimmern, und ebenfalls hinsichtlich der Sterbewahrscheinlichkeit. Dabei stieg das Risiko im Vergleich zur Normalbevölkerung bei Frauen mit Typ-1-Diabetes stärker an als bei Männern. So war das Herzinfarktrisiko bei Frauen mit sehr früher Diabetes-Diagnose um das 90-fache erhöht; bei Männern dagegen um das 15-fache. Das könnte daran liegen, dass das Herz-Kreislauf-Risiko in der Normalbevölkerung bei Frauen wesentlich geringer ist als bei Männern, vermutet das schwedische Forscherteam.

Fazit: Frühe Prävention schützt Herz und Gefäße

In der schwedischen Studie erwies sich das Diagnosealter als wichtiger Faktor für das Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für einen frühzeitigen Tod. Schon früh im Erwachsenenalter haben Menschen, die seit ihrer Kindheit an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, stark erhöhte Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Lebenserwartung von Frauen, die seit der frühen Kindheit an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, ist im Vergleich zur Kontrollgruppe fast 18 Jahre kürzer. Umso wichtiger ist für diese Menschen eine frühe Prävention, das heißt, die regelmäßige Kontrolle von kardiovaskulären Risikofaktoren, wie z.B. Bluthochdruck und erhöhte Blutfette, sowie deren Behandlung. Zum Schutz für Herz und Gefäße können auch Insulinpumpen sowie die kontinuierliche Blutzuckermessung (CGM) beitragen.

 

Quelle:
Rawshani A et al. Excess mortality and cardiovascular disease in young adults with type 1 diabetes in relation to age at onset: a nationwide, register-based cohort study. Lancet 2018; 392: 477-86 http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31506-X

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Klinische Studien