Typ-2-Diabetes

Frühe Blutzuckersenkung schützt vor Diabetes-Langzeitfolgen

Eine durchgreifende Blutzuckersenkung innerhalb des 1. Jahres einer neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes-Erkrankung scheint Langzeitfolgen der nächsten 10 Jahre positiv zu beeinflussen. Menschen mit frühzeitig und konsequent behandeltem Typ-2-Diabetes zeigten weniger Komplikationen und eine erniedrigte Sterberate in einer neu veröffentlichten US-Beobachtungsstudie (Kohortenstudie).

Jedes Jahr wird bei rund 500.000 Menschen zum 1. Mal eine Diabetes-Diagnose gestellt. In mehreren Studien wurde bereits der positive Effekt einer frühzeitigen Blutzuckerkontrolle auf langfristige Komplikationen beschrieben. Dieser Effekt wird in der Wissenschaft als „Legacy Effect“ bezeichnet und mit „Erb-Effekt“ übersetzt. Er betitelt die langfristige Minderung von Folgeerkrankungen des Diabetes bei einer guten Blutzuckerkontrolle, besonders im 1. Jahr der Erkrankung. Ob dieser positive Effekt einer frühen Diabetes-Kontrolle auch außerhalb von klinischen Studien besteht, war bislang unklar. In einer Langzeitstudie hat eine Forschungsgruppe in den USA daher die Auswirkungen einer frühen und intensiven Senkung des
Blutzucker-Langzeitwerts (HbA1c) auf die Komplikations- und Sterberate nach 10 Jahren untersucht.

Insgesamt wurden über 34.000 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes in die Studie eingeschlossen und regelmäßig untersucht. Die Teilnehmenden waren in einer Diabetes-Datenbank in Nordkalifornien registriert und zum Zeitpunkt der Diagnose im Schnitt 57 Jahre alt. In den folgenden 7 Jahren nach der Diabetes-Diagnose wurden die Blutzucker-Langzeitwerte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit mikro- und makrovaskulären Komplikationen (Schäden an den kleinen und großen Blutgefäßen) nach 10 Jahren in Zusammenhang gebracht.

Frühe Behandlung hinterlässt Spuren

Tatsächlich zeigten sich bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit einem Blutzucker-Langzeitwert über 6,5 % im 1. Jahr der Diagnose ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen
(z. B. Schlaganfälle; Herz- und Gefäßkrankheiten), als bei Teilnehmenden mit niedrigeren Werten. Blutzucker-Langzeitwerte von 7 % oder höher im 1. Jahr nach der Diabetes-Diagnose waren sogar mit einem höheren Sterberisiko verbunden. Dabei war die Blutzuckereinstellung im 1. Jahr entscheidend. Bei länger anhaltenden Werten oberhalb der 6,5 %-Grenze blieb das Risiko für Spätfolgen gleich; es sei denn die Blutzuckerkontrolle war so unzureichend, dass der Wert für längere Zeit nicht unter 8 % fiel. Bei diesen für längere Zeit schlecht eingestellten Patientinnen und Patienten zeigten sich nach 10 Jahren übermäßig häufig mikrovaskuläre Spätfolgen (Folgen an kleineren Blutgefäßen). Insgesamt schafften es nur 41 % der Teilnehmenden ihren Blutzucker-Langzeitwert unter 6,5 % im 1. Jahr zu senken.

Fazit: Frühe Blutzuckersenkung ist bei einer neu diagnostizierten Diabetes-Erkrankung entscheidend 

Die Forschungsgruppe der US-Studie kommt zu dem Schluss, dass eine frühe, durchgreifende Blutzuckerkontrolle, besonders im 1. Jahr der Erkrankung, langfristig Auswirkungen auf Komplikationen des Typ-2-Diabetes hat. Somit lohnen sich regelmäßige Blutzuckermessungen, Besuche bei Ärztinnen und Ärzten sowie eine konsequente Therapie um Folgeerkrankungen und weiteren Komplikationen langfristig vorzubeugen.

 

Quellen:
Laiteerapong N et al. The Legacy Effect in Type 2 Diabetes: Impact of Early Glycemic Control on Future Complications (the Diabetes & Aging Study). Diabetes Care 2018 (online)

Goffrier B et al. Administrative Prävalenzen und Inzidenzen des Diabetes mellitus von 2009 bis 2015. Versorgungsatlas-Bericht Nr. 17/03. 2017; Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland: Berlin

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Klinische Studien