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FGM-Messsystem bewährt sich bei Typ-2-Diabetes

„Flash Glucose Monitoring“ – kurz FGM – ist ein relativ neues Messsystem zur kontinuierlichen Glukosemessung ohne das Blutglukose zur Kalibrierung des Geräts (wie zum Beispiel beim CGM-System) erforderlich ist. Es wird angewendet von Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, die eine intensivierte Insulintherapie benötigen. Eine Studie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes hat die Frage untersucht, ob das FGM-System Vorteile bringt im Vergleich zur herkömmlichen Blutzuckerselbstmessung.

Flash Glucose Monitoring (FGM) misst Glukosewert kontinuierlich

Das FGM-System besteht aus einem Sensor und einem Lesegerät. Der Sensor hat einen Umfang von etwa 35 Millimetern. Er wird mit Hilfe eines „Klebstoffs“ am Oberarm aufgebracht und bis zu 14 Tage an der gleichen Stelle auf der Haut belassen. Mit dem Sensor verbunden ist ein Filament, das unter die Haut platziert wird. Dort misst das Filament kontinuierlich den Glukosewert zwischen den Körperzellen im Unterhautfettgewebe (Gewebezucker). Mit dem zugehörigen Lesegerät zum Scannen lässt sich der Glukosewert – auch im Verlauf – jederzeit abrufen. Ein Pfeil zeigt außerdem an, ob der Glukosewert steigt, sinkt oder stabil ist.

Direkter Vergleich mit klassischer Blutzuckerselbstmessung

Eine Studiengruppe um Prof. Dr. Thomas Haak aus Bad Mergentheim hat bei 224 Patienten mit Typ-2-Diabetes das FGM-Messsystem im Vergleich zur klassischen Blutzuckerselbstkontrolle untersucht. Bei der klassischen Blutzuckerkontrolle ist ein Stich in die Fingerkuppe notwendig, um einen Blutzuckerwert (Blutglukosewert) zu erhalten – der hier allerdings auch nur eine Momentaufnahme darstellt.

Alle Studienteilnehmer waren auf eine intensivierte Insulintherapie bzw. auf eine Insulinpumpentherapie eingestellt. Der HbA1c-Wert lag bei den Patienten mit Typ-2-Diabetes deutlich zu hoch (7,5 – 12% oder 58 – 108 mmol/l) und sollte im Rahmen der Studie verbessert werden. Insgesamt nahmen 26 Diabeteszentren in Europa an der Untersuchung teil.

Mit FGM wird weniger Zeit in einer Unterzuckerung verbracht

Die Studie untersuchte, welchen Einfluss die Anwendung des FGM-Messsystems im Vergleich zur klassischen Blutzuckerselbstkontrolle auf die Güte der Stoffwechseleinstellung hat. Hierfür wurde der HbA1c-Wert zu Studienbeginn und nach 6 Monaten bestimmt.

Das Ergebnis

Der HbA1c-Wert hatte sich in beiden Gruppen etwa vergleichbar verbessert. Allerdings verbrachten Patienten, die das FGM-System nutzten, pro Tag deutlich weniger Zeit (minus 43 Prozent) in einem Zustand der Unterzuckerung – das heißt mit Glukosewerten von weniger als 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Das galt auch für nächtliche Unterzuckerungen.

Das Fazit der Studienautoren

Das FGM-System hat sich für Menschen mit Typ-2-Diabetes und einer intensivierten konventionellen Insulintherapie als geeignet erwiesen und erzielte eine mindestens gleich gute Stoffwechsellage wie die klassische Blutzuckerselbstmessung. Ein Vorteil des FGM-Systems ist die kontinuierliche Erfassung der Glukosewerte, die dem Patienten auch anzeigt, ob der Wert steigt, fällt oder stabil bleibt. So kann der Patient mit dem FGM-System frühzeitig sowohl Über- als auch Unterzuckerungen gegensteuern. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass das FGM-System die Zuckerkonzentration im Gewebe und nicht im Blut misst. Im nüchternen Zustand sind die beiden Werte vergleichbar. Durch Nahrungsaufnahme, Insulininjektionen und/oder Bewegung kann es jedoch zu Unterschieden zwischen den Messwerten kommen. Die Konzentration im Gewebe stellt sich zeitlich verzögert ein. Vor diesem Hintergrund sollte vor jeder Therapieentscheidung sowie bei Unwohlsein immer zusätzlich zum Gewebezucker auch der Blutzucker bestimmt werden.

 

Quelle:
Haak T et al. Flash Glucose-Sensing Technology as a Replacement for Blood Glucose Monitoring for the Management of Insulin-Treated Type 2 Diabetes: a Multicenter, Open-Label Randomized Controlled Trial. Diabetes Ther 2017; 8: 55-73

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Klinische Studien