Ramadan

Fasten im Ramadan auch bei Insulin-behandeltem Typ-2-Diabetes möglich

Wer Typ-2-Diabetes hat und mit Insulin behandelt wird, muss nicht zwangsläufig ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen befürchten, wenn im Ramadan-Monat gefastet wird. Ausführliche Schulungen und eine kontinuierliche Blutzuckermessung helfen, Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu vermeiden.

Der Ramadan 2019 beginnt am 6. Mai und endet am 5. Juni. Während des Fastenmonats sollen gläubige Musliminnen und Muslime 30 Tage lang zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Zwar müssen Musliminnen und Muslime mit Diabetes nicht fasten. Viele Gläubige wollen aber trotz chronischer Erkrankung am Ramadan teilnehmen. Hier stellt sich die Frage, welchen Einfluss der verschobene Essrhythmus auf den Blutzuckerspiegel hat und wie hoch das Risiko für Unterzuckerungen ist.

Kontinuierliche Messung der Blutzuckerwerte

Eine Studie aus Dubai hat die Sicherheit des Ramadan-Fastens bei 67 Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht. Alle Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden mit Insulin behandelt. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 56 Jahren. Die Patientinnen und Patienten erhielten vor und während des Ramadan ausführliche Schulungen, ein FGM-Gerät zur kontinuierlichen Blutzuckermessung (FMG, Flash Glucose Monitoring) und ärztliche Empfehlungen zur Anpassung der Behandlung.

Menschen mit Begleiterkrankungen, wie Nieren- oder Herzerkrankungen, und Schwangere waren von der Studienteilnahme ausgeschlossen.

Voraussetzung: Ausführliche Schulungen

Die Ramadan-orientierten Schulungen erfolgten nach einem festgelegten Standard und dauerten jeweils 60 Minuten. Inhalte waren Informationen zum sicheren Fasten und wann das Fasten während des Ramadan abgebrochen werden sollte. Außerdem erhielten die Teilnehmenden eine Anleitung zur Blutzucker-Selbstkontrolle und zur Verwendung des Blutzuckermessgerätes sowie Ratschläge zu Ernährungsanpassungen.

Den Betroffenen wurde empfohlen, ihr Fasten zu brechen, wenn der Blutzuckerwert während der Fastenzeit unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) fällt. Darüber hinaus erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Beratung zu möglichen erforderlichen Anpassungen ihrer Diabetes-Behandlung.

Fasten: Blutzuckerwerte verbesserten sich

Das Forschungsteam verglich die Blutzuckerwerte vor dem Ramadan-Monat mit den Blutzuckerverläufen während des Fastens. Zusätzlich werteten sie die Ergebnisse getrennt danach aus, ob die Patientinnen und Patienten mit Basalinsulin (plus ggf. Tabletten) behandelt wurden oder eine intensivierte Insulintherapie (Basalinsulin plus Bolusinsulin) erhielten. Die Auswertungen zeigten folgende Ergebnisse:

  • Unter dem Fasten verringerte sich der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) von durchschnittlich 7,9 % vor Ramadan auf 7,7 % nach Abschluss des Fastenmonats
  • Der mittlere Blutzuckerwert lag vor dem Fasten bei 330,1 mg/dl (18,3 mmol/l) und verbesserte sich im Ramadan-Monat auf 289,3 mg/dl (16,1 mmol/l)
  • Insgesamt nahmen die Häufigkeit und Schwere von Unterzuckerungen während des Ramadan-Fastens nicht zu
  • Bei intensivierter Insulintherapie waren Unterzuckerungen in der Zeit zwischen 12:00 und 18:00 Uhr häufiger als bei der Behandlung mit Basalinsulin (plus ggf. Tabletten)

Das Fazit des Forschungsteams

Wenn Menschen mit Insulin-behandeltem Typ-2-Diabetes umfangreich geschult werden und die Möglichkeit zur kontinuierlichen Blutzuckermessung erhalten, ist es möglich, dass sie trotz Fasten im Ramadan-Monat kein erhöhtes Sicherheitsrisiko haben. Durch das Fasten und der damit verbundenen höheren Aufmerksamkeit, kann sich die Blutzuckerkontrolle der Menschen mit Diabetes sogar verbessern.

Wichtig bleibt vor dem Beginn des Fastens eine Rücksprache und genaue Blutzuckereinstellung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Quelle:

Bashier AMK et al. Impact of optimum diabetes care on the safety of fasting in Ramadan in adult patients with type 2 diabetes mellitus on insulin therapy. Diabetes Res Clin Pract 2019 (online)

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Klinische Studien