Schwangerschaftsdiabetes

Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Depression

Frauen, die früh in ihrer Schwangerschaft depressive Symptome zeigen, haben ein erhöhtes Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Umgekehrt kann die Stoffwechselstörung nicht selten zu einer nachgeburtlichen (postnatalen) Depression führen.

In der Schwangerschaft können Frauen besonders anfällig sein für ein gleichzeitiges beziehungsweise kurz aufeinander folgendes Auftreten von Diabetes und depressiven Symptomen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der National Institutes of Health (NIH) in den USA festgestellt, die den Zusammenhang dieser beiden Erkrankungen zu verschiedenen Zeitpunkten der Schwangerschaft sowie nach der Geburt untersucht haben.

Depressive Symptome zählen zu den häufigsten psychischen Beschwerden während einer Schwangerschaft. Genauso entwickeln zahlreiche Schwangere einen Schwangerschaftsdiabetes, das heißt, eine Stoffwechselstörung, die erstmals während der Schwangerschaft diagnostiziert wird und danach häufig wieder verschwindet. Unerkannt kann die Erkrankung sowohl für die Mutter als auch für ihr Kind gefährlich werden. Um festzustellen, ob und in welcher zeitlichen Abfolge die beiden Erkrankungen zusammenhängen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am NIH an 12 Kliniken in den USA insgesamt 2.477 Frauen ohne psychologische Vorerkrankung oder andere chronische Stoffwechselerkrankungen während ihrer Schwangerschaft beobachtet. Zum einen durchliefen die Patientinnen im 1. (8.-13. Woche) sowie im 2. Trimester (16.-22. Woche) einen standardisierten Test mit 10 Fragen zu Symptomen einer Depression während und nach einer Schwangerschaft. Weiteres Untersuchungskriterium: das Auftreten eines Schwangerschaftsdiabetes im Verlauf der Schwangerschaft. Bei den 81 davon betroffenen Frauen und bei ebenso vielen Kontrollpatientinnen ohne Schwangerschaftsdiabetes wurde untersucht, ob sie 6 Wochen nach der Geburt eine Depression  (postnatale Depression) entwickelt hatten.

Depression verdoppelt Diabetes-Risiko

Anhand der Werte auf der Depressionsskala wurde beim Screening im 1. Trimester bei 13,4 % der schwangeren Frauen eine Depression vermutet; beim Screening im 2. Trimester bei 9,8 %. Die Patientinnen die auf der Skala des Depressions-Tests im 1. Trimester die höchsten Werte aufwiesen, hatten ein doppelt so hohes Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu Schwangeren ohne Anzeichen einer Depression. Wiesen die Schwangeren sowohl im 1. als auch im 2. Trimester viele depressive Symptome auf, stieg ihr Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes um das 3-fache. Am deutlichsten wurde dieser Zusammenhang bei Frauen, die nicht übergewichtig waren. Dabei galt: Je mehr depressive Symptome die Frauen aufwiesen, desto größer wurde ihr Diabetes-Risiko.

Auch umgekehrt zeigte sich eine enge Verbindung zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Depression: Bei Frauen, die vor der Geburt einen Gestationsdiabetes entwickelt hatten, stieg das Risiko einer nachgeburtlichen (postnatalen) Depression um das 4-fache.

Fazit: Testen und behandeln lassen

Da sowohl Depressionen als auch ein Schwangerschaftsdiabetes gleichzeitig häufige Begleiter von Schwangerschaften sein können und sich diese Erkrankungen, wie die NIH-Studie gezeigt hat, zum Teil gegenseitig bedingen können, sollten sich Frauen, die ein Kind erwarten, mindestens 1-mal im Verlauf ihrer Schwangerschaft bei bestehendem Verdacht auf Anzeichen einer Depression testen lassen. Am besten machen sie diese Untersuchung schon im 1. Trimester, raten die US-Forscherinnen und -Forscher. Genauso sollte ein Suchtest auf Schwangerschaftsdiabetes (meist zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche) durchgeführt werden, damit die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Das kann das Risiko einer Depression nach der Geburt senken.

 

Quelle:
Hinkle SN et al. A longitudinal study of depression and gestational diabetes in pregnancy and the postpartum prirod. Diabetologia 2016; 59: 2594-2602

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Klinische Studien