Ernährung

Ernährung und Diabetes

Die Ernährung hat eine wichtige Bedeutung für den menschlichen Körper und die Gesundheit. Neben der Möglichkeit zur Prävention, spielt die Ernährung auch eine entscheidende Rolle bei der Therapie des Typ-2-Diabetes und beeinflusst maßgeblich die Medikation. So kann die Ernährung gezielt zur Behandlung des Diabetes und zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen genutzt werden. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist eine Ernährungstherapie in Kombination mit einer Steigerung der körperlichen Aktivität als Behandlungsmaßnahme bei Typ-2-Diabetes oft ausreichend. Aber auch bei Typ-1-Diabetes hat die Ernährung Auswirkungen auf die Diabetestherapie.

Empfehlungen für die Nährstoffzusammensetzung

Die von den Fachgesellschaften für Diabetes herausgegebenen Ernährungsempfehlungen für Personen mit Diabetes unterscheiden sich grundsätzlich nicht von den allgemein gültigen Empfehlungen für Menschen ohne Diabetes. Ziel der Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus ist eine individuell angepasste, ausgewogene Mischkost, die den individuellen Nährstoffbedarf deckt und zu einer Verbesserung der Stoffwechsellage beiträgt.

Empfehlungen für die Nährstoffzusammensetzung bei Diabetes
Energie Bedarfsgerecht
Ggf. reduziert bei Übergewicht
Kohlenhydrate 45-60% der täglichen Energiezufuhr
Zucker (Saccharose) <10% der täglichen Energiezufuhr
Ballaststoffe >40 g/Tag bzw. 20 g/1000 kcal
Fett ≤35% der täglichen Energiezufuhr
Gesättigte Fettsäuren und trans-Fettsäuren <10% der täglichen Energiezufuhr
Einfach ungesättigte Fettsäuren 10-20% der täglichen Energiezufuhr
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren ≤10% der täglichen Energiezufuhr
Nahrungscholesterin <300 mg/Tag (bei erhöhtem LDL-Cholesterin weitere Reduktion)
Protein 10-20% der täglichen Energiezufuhr

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate stellen einen der Hauptenergielieferanten der Ernährung dar. Kohlenhydrate bestehen aus einzelnen oder zusammengesetzten Zuckerbausteinen, welche, vereinfacht ausgedrückt, beim Verdauungsprozess aufgespalten werden und schließlich ins Blut gelangen. Die Zufuhr von Kohlenhydraten wirkt sich daher direkt auf den Blutzuckerspiegel aus.

Je nach Anzahl der Zuckerbausteine unterscheidet man zwischen:

  • Einfachzucker (Monosaccharide): Hierzu zählt unteranderem der Traubenzucker (Glukose) und der Fruchtzucker (Fructose).
  • Zweifachzucker (Disaccharide): Hierzu gehört in erster Linie der Haushaltszucker (Saccharose) sowie Malz (Maltose)- und Milchzucker (Laktose).
    • Einfach- und Zweifachzucker kommen insbesondere in Süßigkeiten, Softdrinks, Fruchtsäften und Obst vor und lassen den Blutzucker schnell ansteigen.
  • Mehrfachzucker (Polysaccharide): Hierzu zählt insbesondere die Stärke. So sind Mehrfachzucker vor allem in Getreide, Vollkornprodukten, Kartoffeln und Hülsenfrüchten enthalten.
    • Die Gruppe der Mehrfachzucker lässt den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen, da sie vor der Aufnahme ins Blut erst aufgespalten werden müssen.

Neben allen Zuckerarten, zählen auch die Ballaststoffe zu den Kohlenhydraten. Sie sind in größeren Mengen in Vollkorn-Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst enthalten. In großangelegten Studien konnte gezeigt werden, dass eine ballaststoffreiche Kost sich positiv auf den Blutzucker und HbA1c-Wert sowie die Blutfette auswirkt. Zusätzlich ist eine höhere Ballaststoffaufnahme bei Menschen mit Diabetes mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden.

Neben der Menge an Kohlenhydraten in einem Lebensmittel ist auch entscheidend wie schnell die Kohlenhydrate aus der Nahrung in das Blut gelangen. Wie schnell und wie stark ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzuckerspiegel erhöht, ist abhängig von der Art der enthaltenen Kohlenhydrate (Mono-, Di-, Polysaccharide) und wird mithilfe des glykämischen Index (GI) angegeben. Der glykämische Index beschreibt die Wirkung einer definierten Menge Kohlenhydrate eines aufgenommenen Lebensmittels auf den Blutzuckerverlauf im Vergleich zu einer äquivalenten Menge Traubenzucker (Glukose). Je höher dieser Wert, desto schneller steigt der Blutzuckerspiegel an. So lassen beispielsweise Cornflakes, Pommes, Weißbrot und zuckerhaltige Getränke den Blutzucker schneller ansteigen und haben einen höheren glykämischen Index als z.B. Möhren, Hülsenfrüchte, Vollkorn- oder Milchprodukte. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt Patienten mit Diabetes vermehrt Nahrungsmittel mit einem niedrigen glykämischen Index aufzunehmen.

Die Aufnahme von Zucker sollte idealerweise die Menge von 10% der täglichen Kalorienaufnahme nicht übersteigen. Das sind ca. 30 – 50 g pro Tag (bis zu 12 Teelöffel). Zucker ist nicht nur in Lebensmitteln und Speisen zugesetzt, sondern auch natürlicherweise in Lebensmitteln, wie z.B. Früchten enthalten.

Kohlenhydrat-, Ballaststoff- und Energiegehalt einiger frischer Früchte
In 100 g sind im Durchschnitt Traubenzucker (Glukose) g Haushaltszucker (Saccharose) g Fruchtzucker (Fruktose) g Gesamt Kohlenhydrat-gehalt g Ballaststoffe g Glykämischer Index % Energie kcal
Apfel 2,0 2,5 5,7 10,9 3,0 38 50
Apfelsine 2,3 3,4 2,6 9,5 2,0 44 44
Banane 3,5 10,3 3,4 18,8 3,0 55 81
Sauerkirsche 5,2 6,4 4,3 10,5 1,1 22 50
Weintraube 7,2 0,4 7,4 16,9 1,6 46 73

Viele Patienten mit einem insulinpflichtigen Diabetes benutzen sogenannte Kohlenhydrat-Tabellen, um die Kohlenhydrat-Mengen für die Insulinanpassung abzuschätzen. In einer Beratung lernen die Patienten Kohlenhydratmengen zu bestimmen und daraus abzuleiten, welche Insulindosis sie für die entsprechende Mahlzeit benötigen. Lebensmittel, die 10 bis 12 g verwertbare Kohlenhydrate (= 1 Kohlenhydrateinheit (KE)) enthalten, können gegeneinander ausgetauscht werden. Blutzucker-Selbstkontrollen ermöglichen die individuelle Insulinanpassung an die geplante bzw. verzehrte Nahrung. Für evtl. Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sollten immer schnell wirksame Kohlenhydrate (z.B. Traubenzucker oder zuckerhaltige Getränke, wie Säfte oder Limonaden), die den Blutzucker schnell ansteigen lassen, bereitgehalten werden.

Protein

Proteine werden im menschlichen Körper unteranderem für den Aufbau von Körpermasse benötigt. Proteine können sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs sein. Zu proteinhaltige Lebensmittel zählen beispielsweise fettarme Fleisch-, Fisch-, Käse und Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Tofu. Die empfohlene Proteinzufuhr für Menschen mit Diabetes beträgt 10 – 20% der täglichen Gesamtenergiezufuhr. Bei den ersten Zeichen einer diabetischen Nephropathie (Nierenerkrankung) empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft den Eiweißgehalt der Nahrung auf 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag zu senken. Dies entspricht meist in etwa 10% der täglichen Gesamtenergiezufuhr. Bei einer Person mit einem Körpergewicht von z.B. 70 kg ist dies mit einer Eiweißmenge von 55 – 60 g pro Tag gleichzusetzen.

Proteingehalt verschiedener Lebensmittel
Tierische Lebensmittel:
Eine Portion Fleisch (120 g Rohgewicht)
Ein Glas Milch (¼ Liter)
Zwei Esslöffel Magerquark (60 g)
Ein Becher Joghurt (150 g)
Eine Scheibe Fleischwurst (30 g)
ca. 25 g Eiweiß
ca. 8 g Eiweiß
ca. 8 g Eiweiß
ca. 5 g Eiweiß
ca. 5 g Eiweiß
Pflanzliche Lebensmittel:
Eine mittelgroße Scheibe Brot (60 g)
Zwei mittelgroße Kartoffeln (160 g)
Eine Portion Gemüse (200 g)
ca. 4 g Eiweiß
ca. 3 g Eiweiß
ca. 2 g Eiweiß

Neueste Erkenntnisse zum Proteingehalt der Nahrung bei Diabetes mellitus zeigen, dass eine erhöhte Proteinzufuhr (25 – 32 EN%) in Kombination mit einer Energierestriktion sich kurz- bis mittelfristig positiv auf die glykämische Kontrolle (moderate Senkung des HbA1c-Wertes) auswirken und eine Gewichtsreduktion erleichtern kann. Zur Langzeitwirkung liegen jedoch keine Studien vor, sodass aktuell keine Empfehlungen für eine höhere Proteinzufuhr ausgesprochen werden können.

Fett

Fett ist ein weiterer bedeutender Energielieferant der menschlichen Ernährung. Gleichzeitigt ist Fett jedoch auch sehr kalorienreich. So hat 1g Fett 9 kcal (zum Vergleich: 1g Kohlenhydrate bzw. Eiweiß haben nur rund 4 kcal). Etwa 35% (bei dem Ziel einer Gewichtsreduktion <30%) des täglichen Energiebedarfs sollen nach Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft von Fett gedeckt werden. Fette stecken etwa in Butter, Öl oder fettreichem Fleisch und Fisch. Bei den Fetten wird insbesondere zwischen Fett mit den sich eher ungünstig auswirkenden gesättigten und den sich eher günstig auf die Gesundheit auswirkenden ungesättigten Fettsäuren unterschieden.

Nach dem Empfehlungen der deutschen Diabetesgesellschaft sollte die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren und trans-Fettsäuren unter 10% der Gesamtenergiezufuhr liegen, da eine hohe Aufnahme von gesättigten Fettsäuren erhöhte Blutfette und die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) fördert. Zusätzlich führt eine Senkung der gesättigten und trans-Fettsäuren ebenfalls zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität und wirkt sich positiv auf den Diabetes aus. Deshalb sollten fettreiche Lebensmittel und Speisen, wie z.B. fette Wurst- oder Käsesorten, Sahne, Schokoladen, Gebäck und fettreiche Fertigprodukte in der Kost reduziert werden. Produkte, in denen gehärtete Fette bzw. gehärtete Öle enthalten sind (häufig in Fertigprodukten und Süßwaren), sollten nur selten oder wenn, nur in kleinen Mengen, verzehrt werden.

Ungesättigten Fettsäuren können insbesondere aus pflanzlichen Fettquellen, wie Öle, Nüsse, Samen, Getreidekeime, Avocados und auch (fettem) Fisch aufgenommen werden und sollten aufgrund Ihrer positiven Auswirkung auf den Stoffwechsel bevorzugt werden. Öle und Nüsse, wie z.B. Rapsöl, Olivenöl, Erdnüsse und Haselnüsse haben einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren, die ohne Nachteil großzügiger (maximal 20% der Gesamtenergiezufuhr) genutzt werden können. Fetthaltige Nahrungsmittel mit einem günstigen Fettsäuremuster sind beispielsweise Raps- und Olivenöl, Erdnüsse, Macadamia-Nüsse, Mandeln und einige Margarinesorten (Deklaration beachten) sowie Avocados und Oliven. Hering, Lachs, Makrelen und Thunfisch sowie Rapsöl und einige grünblättrige Gemüse helfen zusätzlich eine angemessene Aufnahme der für die Blutfette günstigen Omega-3-Fettsäuren sicherzustellen.

Um den Fettgehalt in der Nahrung zu reduzieren, kann es hilfreich sein auch bei den eiweißreichen Nahrungsmitteln auf den Fettanteil zu achten und bevorzugt magere Fleisch- und Käsesorten zu verzehren. Auch fettarme Zubereitungsarten, wie dünsten, dämpfen, grillen, schmoren oder braten in beschichteten Pfannen, können helfen Fett zu sparen. Vorsicht ist insbesondere bei verstecken Fetten, die sich vor allem in Fleischerzeugnissen und Wurst, Back- und Süßwaren, Fertiggerichten, Fast Food und salzigen Knabbereien befinden, geboten. Da das Fett weder direkt sichtbar ist noch vermutet wird, essen wir meist zu viel davon.

Alkohol

In erster Linie gilt für Menschen mit Diabetes, was für jeden anderen auch gilt: wenn überhaupt sollte Alkohol nur in Maßen konsumiert werden. Alkohol ist ein Zellgift und wird im Körper von der Leber abgebaut. Während des Alkoholabbaus ist die körpereigene Glukose-Freisetzung der Leber gehemmt, wodurch bei Menschen mit Diabetes der Blutzuckerspiegel sinkt und gleichzeitig das Risiko für eine Unterzuckerung stark ansteigt. Je mehr Alkohol getrunken wird, umso stärker und länger wird kein Zucker aus der Leber ins Blut abgegeben. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollten Menschen mit einem insulinbehandelten Diabetes Alkohol nur in Verbindung mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu sich nehmen. Auch sollte der Blutzucker während und nach dem Alkoholgenuss, besonders auch vor dem Zubettgehen, engmaschig kontrolliert werden. Wie stark und wie lange die blutzuckersenkende Wirkung von Alkohol anhält, ist individuell unterschiedlich.

Insgesamt sollten Menschen mit Diabetes genau wie Menschen ohne Diabetes pro Tag nicht mehr als 1–2 kleine Gläser Wein oder Bier konsumieren. Die empfohlene Tagesmenge von 10 g Alkohol bei Frauen und 20 g bei Männern sollte nicht überschritten werden. 20 g Alkohol sind beispielsweise in etwa 0,5 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein enthalten.

 

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2001; 1. Auflage, Neustadt an der Weinstraße: Umschau Buchverlag

Mann JI et al. Evidence-based nutritional approaches to the treatment and prevention of diabetes mellitus. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2004; 14: 373-394

Pfeiffer AFH et al. Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus – Empfehlungen zur Proteinzufuhr. S3-Leitlinie – 2015; Version 1.0, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Toeller M. Evidenz-basierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus. Diabetes und Stoffwechsel 2005; 14: 75-94

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