Ernährung

Ernährung kann frühen Diabetes-Verlauf beeinflussen

Eine Studie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf zeigt, dass sich eine ausgewogene Ernährung bei Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-1- und Typ-2-Diabetes positiv auf die Blutzuckerkontrolle (Blutglukosekontrolle), Insulinsensitivität und Insulinausschüttung auswirken kann.

Es ist bekannt, dass eine fett- und kalorienarme Ernährung mit reichlich Ballaststoffen und grünem Blattgemüse vor der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes schützen kann. Ein Forschungsteam am DDZ habt sich nun die Frage gestellt, inwiefern sich bestimmte Nahrungsmittel zu Beginn der Diabetes-Erkrankung auf den frühen Krankheitsverlauf auswirken.

Genauer gesagt haben Prof. Dr . Michael Roden und seine Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der großen, noch immer andauernden Deutschen Diabetes-Studie untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Ernährung und den Stoffwechseleinstellungen im frühen Verlauf des Typ-1- und Typ-2-Diabetes besteht. Hierzu füllten 127 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Alter zwischen 18 und 69 Jahren, die vor weniger als 1 Jahr die Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erhalten hatten, zu Studienbeginn einen Fragebogen zu ihrer Ernährung aus. Sie mussten angeben, wie häufig sie in den vergangenen 3 Monaten bestimmte Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen, darunter Lebensmittel aus raffinierten Körnern oder Vollkorn, Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Süßigkeiten und kalorienhaltige Getränke, zu sich genommen hatten. Zudem durchliefen sie einen intravenösen Glukose-Toleranztest zur Ermittlung der Insulinsensitivität und -ausschüttung. Der Blutzucker der Teilnehmenden war zu Beginn der Studie gut eingestellt. Nach 2 Jahren wurden die Teilnehmenden erneut untersucht und ihre Angaben zur Ernährung, die zu Studienbeginn erhoben wurden, wurden mit der Veränderung der metabolischen Werte innerhalb der ersten 2 Jahre nach Diabetes-Diagnose in Beziehung gesetzt.

Zu viel Weißbrot und Fleisch können schaden

Nach 2 Jahren stellte die Studiengruppe bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit Typ-1-Diabetes, die zu Studienbeginn häufig Lebensmittel aus raffiniertem Mehl, das heißt, aus Körnern, die von ihren Ballaststoffen befreit wurden, zu sich nahmen, eine Verschlechterung der Stoffwechseleinstellungen fest. Nach 2 Jahren war der HbA1c-Wert (Langzeit-Blutzuckerwert) mit jeder Tagesration raffinierter Körner um 0,6 % gestiegen.

Weitere Erkenntnis: Bei Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes könnte sich ein übermäßiger Fleischkonsum negativ auswirken. Denn Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes, die zu Studienbeginn viel Fleisch- oder Wurstwaren zu sich genommen hatten, zeigten in der DDZ-Studie eine Verschlechterung des Verhältnisses aus Insulinsensitivität und Insulinausschüttung der Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse.

Fazit: Ausgewogene Ernährung zählt im Frühverlauf

Die aktuelle Untersuchung der Deutschen Diabetes-Studie hat unter Beweis gestellt, dass eine ausgewogene Ernährung nicht nur vor Diabetes schützt, sondern auch im Frühverlauf der Erkrankung eine wichtige Rolle spielt. Wer sich also im frühen Verlauf seiner Diabetes-Erkrankung ausgewogen ernährt, sprich, viele Ballaststoffe, aber nicht allzu viele Lebensmittel aus Weißmehl (Typ-1-Diabetes) und weniger Fleisch (Typ-2-Diabetes) konsumiert, kann damit sowohl die Blutzuckerkontrolle als auch die Insulinsensitivität und die Funktion der Insulin-produzierenden Betazellen positiv beeinflussen und damit das Fortschreiten seiner Diabetes-Erkrankung hinauszögern.

 

Quelle:
Weber KS et al. The Impact of Dietary Factors in Glycemic Control, Insulin Sensitivity and Secretion in the First Years after Diagnosis of Diabetes. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2016; 124:230-238

Tags
Mehr
Klinische Studien