Herz-Kreislauf

Entzündungshemmer senkt Herz-Kreislauf-Risiko

Herz-Kreislauf-Attacken wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind insbesondere bei Personen mit Diabetes häufig und gehören damit zu den wichtigsten Folgeerkrankungen des Diabetes. In einer großen Studie verringerte der Entzündungshemmer Canakinumab das Auftreten von Herz-Kreislauf-Attacken bei Patientinnen und Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten.

Entzündungsprozesse spielen eine wichtige Rolle

Seit vielen Jahren wird chronisch unterschwelligen – das heißt anhaltenden, aber klinisch unauffälligen – Entzündungsprozessen im gesamten Körper eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugeschrieben. Leicht erhöhte Spiegel von Entzündungsmarkern im Blut –gemessen wird häufig das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) – zeigen solche Entzündungsprozesse an. Forschungsteam verfolgen daher die Idee, durch Eindämmung der unterschwelligen Entzündungsprozesse das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu senken.

Canakinumab schaltet Botenstoff Interleukin-1ß aus

Canakinumab ist ein Medikament, das zu den sogenannten Biologika gehört. Es schaltet den Botenstoff Interleukin-1ß aus, der an vielen Entzündungsreaktionen im Körper beteiligt ist. Eine große Studie prüfte das Biologikum gegen ein Scheinmedikament (Placebo) bei rund 10.000 Männern und Frauen. Alle Studienteilnehmer hatten bereits einen Herzinfarkt erlitten und wiesen erhöhte Entzündungswerte (hsCRP) im Blut auf. Ihnen wurde entweder das Medikament Canakinumab oder ein Placebo alle 3 Monate unter die Haut gespritzt. Für Canakinumab kamen dabei unterschiedliche Dosierungen zum Einsatz.

Rund 15 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Attacken

Unter der Behandlung mit Canakinumab zeigte sich tatsächlich eine Verringerung des Entzündungsmarkers hsCRP. Und nicht nur das: Bei Patientinnen und Patienten, die die zweithöchste Dosis des Medikaments erhielten, gab es im knapp 4-jährigen Beobachtungszeitraum rund 15 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Attacken gegenüber den mit einem Placebo behandelten Männern und Frauen. Als Herz-Kreislauf-Attacke galten Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Allerdings war die Behandlung mit Canakinumab auch mit einem leicht höheren Risiko für schwere Infektionen mit Todesfolge verbunden. Daher gab es letztendlich keinen Unterschied bei der Sterblichkeit zwischen den einzelnen Gruppen.

Das Fazit der Studienautoren: Die Behandlung mit dem entzündungshemmenden Medikament Canakinumab konnte bei Patienten mit einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko das Auftreten erneuter Herz-Kreislauf-Attacken deutlich senken – allerdings um den Preis eines erhöhten Infektionsrisikos. Insgesamt bleibt die Hemmung chronisch unterschwelliger Entzündungen im Körper aber eine vielversprechende Perspektive, um nicht nur das Herz-Kreislauf-Risiko bei besonders gefährdeten Menschen weiter zu senken, sondern möglicherwiese auch das Risiko für weitere diabetische Folgeerkrankungen zu reduzieren.

 

Quelle:
Ridker PM et al. Antiinflammatory Therapy with Canakinumab for Atherosclerotic Disease. N Engl J Med 2017; 377: 1119-1131

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Klinische Studien