Typ-2-Diabetes

Enger Zusammenhang zwischen Depression und Entzündungsprozessen bei Typ-2-Diabetes

Untersuchungen am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben gezeigt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes nach der Behandlung depressiver Symptome niedrigere Werte bestimmter Entzündungszeichen im Blut aufweisen. Das kann Folgeerkrankungen aufschieben oder sogar vermeiden. 

Aus bisherigen Untersuchungen ist bekannt, dass bestimmte Biomarker im Blut, die auf Entzündungen im Körper hindeuten, auch bei der Entwicklung depressiver Erkrankungen eine Rolle spielen. Umgekehrt können depressive Symptome Entzündungsprozesse im Körper in Gang setzen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am DDZ haben in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim untersucht, ob sich bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes die Behandlung depressiver Symptome auch positiv auf die Entzündungswerte auswirkt. Dazu haben sie Daten von 168 Studienteilnehmenden mit Typ-1- und 103 mit Typ-2-Diabetes analysiert. Zu Beginn der Untersuchung und nach einem Jahr haben die Teilnehmenden einen standardisierten Fragebogen (CES-D) mit 20 Fragen zu depressiven Symptomen in der vergangenen Woche beantwortet; darunter Fragen zur Konzentrationsfähigkeit, zum Appetit, zu Angstgefühlen oder zum Schlaf. Auf einer Skala von 0-60 kann so das Ausmaß einer depressiven Verstimmung erfasst werden. Zudem hat das Studienteam im Blut der Teilnehmenden die Konzentration von
6 Biomarkern gemessen, die auf verschiedenartige Entzündungsvorgänge im Körper hinweisen. Während der Studienzeit nahmen die Teilnehmenden an einem Therapieprogramm gegen depressive Symptome teil.

Der durchschnittliche Wert beim CES-D-Test lag zu Studienbeginn bei 23,3 und nach 12 Monaten bei nur noch 16,5. Der Grad der depressiven Verstimmung hatte also während des Therapieprogramms insgesamt abgenommen, sowohl bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1- als auch bei denjenigen mit Typ-2-Diabetes. Bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes ging die Minderung der depressiven Symptome einher mit einem Rückgang von 3 der 6 untersuchten Biomarker. Dieser Rückgang wiederum kann sich positiv auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Folgeerkrankungen an den kleineren Blutgefäßen (mikrovaskulär) auswirken, bemerkt das Forschungsteam. Dieser Zusammenhang bestand allerdings nicht bei Menschen mit Typ-1-Diabetes. Umgekehrt stellten die Expertinnen und Experten am DDZ ebenfalls fest, dass sich hohe Entzündungswerte zu Studienbeginn negativ auf die Behandlung depressiver Symptome ausgewirkt haben könnten: Teilnehmende, die zu Studienbeginn eine hohe Konzentration des Chemokins CCL2, einer der untersuchten Biomarker und ein entzündungsförderndes Eiweiß (Zytokin), aufwiesen, konnten ihre depressiven Symptome im Studienverlauf weniger gut lindern, als diejenigen mit niedrigeren Konzentrationen dieses Entzündungsmarkers. Erneut zeigte sich dieser Zusammenhang nur bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes. Das bedeute, schlussfolgert das Forschungsteam, dass sich die beiden Diabetes-Formen hinsichtlich ihrer Funktionsstörungen im Körper (Pathophysiologie) vermutlich unterscheiden, inklusive der entzündlichen und immunologischen Prozesse. Mehr Studien seien insbesondere zu Typ-1-Diabetes notwendig, um den Zusammenhang zwischen Biomarkern, Entzündungsprozessen und Depression besser zu verstehen.

Fazit: Seelentief behandeln – Komplikationsrisiko mindern

Die Untersuchungen am DDZ und an der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim zeigen: Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten depressive Symptome ernst nehmen und behandeln lassen. Denn eine Therapie schützt zumindest bei Typ-2-Diabetes nicht nur vor dem Auftreten einer schweren Depression, sondern senkt auch die Entzündungswerte im Blut und beugt damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen an hohe Entzündungswerte gekoppelte Komplikationen vor. Greift eine Therapie depressiver Symptome nicht oder nur schlecht, kann man in Zukunft die Behandlung einer systemischen Entzündung in Betracht ziehen. Dieser letzte Aspekt muss in zukünftigen Studien im Sinne einer personalisierten Therapie noch besser untersucht werden.

 

Quelle:
Herder C et al: Longitudinal associations between biomarkers of inflammation and changes in depressive symptoms in patients with type 1 and type 2 diabetes. Psychoneuroendocrinology 2018; 91:216-225

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Klinische Studien