Typ-1-Diabetes

Emotionaler Stress wirkt sich ungünstig auf den Diabetes aus

Junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes sehen sich vielen Herausforderungen gegenüber. Das kann zu emotionalem Stress führen und so den Diabetes-Verlauf und die Gesundheit negativ beeinflussen. Emotionaler Stress ist ein ernst zu nehmendes Thema für Menschen mit Diabetes und noch weitgehend unerforscht.

Studie aus Deutschland untersuchte junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes

Eine Studie aus Deutschland ist der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen diabetesbedingtem emotionalen Stress und der erreichten Blutzuckerkontrolle gibt. Um dies zu klären, erhoben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer landesweiten Untersuchung Daten bei mehreren 100 jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes. Bei den Studienteilnehmenden war die Diabetes-Erkrankung bereits in den ersten 5 Lebensjahren diagnostiziert worden (in den Jahren 1993-2002). Im jungen Erwachsenenalter füllten die Patientinnen und Patienten mehrere Fragebögen aus, um das Ausmaß von diabetesbedingtem emotionalen Stress, Hinweise auf depressive Verstimmungen und den allgemeinen Gesundheitszustand zu erheben.

Fragebogen zu diabetesbedingtem emotionalen Stress

Das Ausmaß von diabetesbedingtem emotionalen Stress wurde anhand des standardisierten Fragbogens „PAID“ (= „Problem Areas in Diabetes“) erfasst. Dieser umfasst 20 Fragen und erkundigt sich nach emotionalen Belastungen im Zusammenhang mit der Diabetes-Erkrankung und deren Behandlung. Abgefragt wurden zum Beispiel Aspekte wie:

  • „keine eindeutigen und klaren Ziele für die Diabetes-Behandlung haben“
  • „sich im Hinblick auf die Diabetes-Erkrankung entmutigt fühlen“
  • „sich ängstigen, bei dem Gedanken, mit dem Diabetes leben zu müssen“
  • „sich im Hinblick auf Nahrungsmittel und Mahlzeiten eingeschränkt fühlen“
  • „sich bei dem Gedanken, mit dem Diabetes leben zu müssen, depressiv fühlen“
  • „sich durch die Diabetes-Erkrankung überfordert fühlen“
  • „sich Sorgen über die Zukunft und über mögliche ernste Folgeerkrankungen machen“
  • „sich mit dem Diabetes allein gelassen fühlen“

Diabetes-Stress beeinflusst langfristig die Blutzuckerkontrolle

Jeder 10. junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes war von erheblichem emotionalen Stress („Diabetes‑Stress“) betroffen. Besonders häufig fand sich Diabetes-Stress bei Frauen sowie bei Diabetes-Patientinnen und -Patienten mit depressiver Verstimmung. Bei guter körperlicher und seelischer Verfassung zeigte sich Diabetes-Stress hingegen seltener.

Die Forschenden konnten in der Studie außerdem zeigen, dass größerer Diabetes-Stress auch zu höheren Blutzucker-Langzeitwerten (HbA1c-Wert) führte. Unabhängig von Alter, Geschlecht und Blutzucker-Langzeitwert zu Studienbeginn sagte diabetesbedingter emotionaler Stress einen schlechteren Blutzucker-Langzeitwert für die Zukunft voraus. Der Beobachtungszeitraum der Studie war 3 Jahre lang.

Das Fazit der Studienautorinnen und -autoren

Die Ergebnisse der deutschlandweiten Untersuchung weisen darauf hin, dass Bedenken, Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit der Typ-1-Diabetes-Erkrankung die Ergebnisse der Blutzuckerkontrolle langfristig negativ beeinflussen können. Besonders Frauen sowie Patientinnen und Patienten mit depressiver Verstimmung sind betroffen. Hier sollten gezielte Maßnahmen getroffen werden, um den emotionalen Diabetes-Stress zu verringern.

 

Quelle:

Stahl-Pehe A et al. Diabetes distress in young adults with early-onset Type 1 diabetes and its prospective relationship with HbA1c and health status. Diabet Med 2019 (online)

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Klinische Studien