Typ-2-Diabetes

Eingeschränkte kognitive Funktion bei Menschen mit neu-diagnostiziertem Typ-2-Diabetes

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes können schon relativ früh kognitive Einschränkungen auftreten, nicht jedoch bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, wie eine Untersuchung am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) zeigt.

Es ist bekannt, dass eine lang anhaltende Diabetes-Erkrankung mit einem erhöhten Risiko für kognitive und neuronale Einschränkungen und Demenz assoziiert ist. Wie genau diese Störungen entstehen, ist bislang wenig erforscht. Trotz einiger Studien zu möglichen Ursachen und Zusammenhängen sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig, inwiefern Blutzucker-Langzeitwerte (HbA1c-Wert), Neuropathien, Retinopathien, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Übergewicht oder Unterzuckerungen (Hypoglykämien) bei der Entwicklung kognitiver Verminderungen eine Rolle spielen.

Wissenschaftler am DDZ haben nun untersucht, ob die kognitive Funktion bereits im frühen Stadium der Diabetes-Erkrankung beeinträchtigt ist und welche Risikofaktoren zur kognitiven Verminderung beitragen können. Innerhalb der Deutschen Diabetes-Studie haben sie dazu 201 Studienteilnehmer mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes untersucht, die ihre Diabetes-Diagnose vor weniger als einem Jahr erhalten haben, sowie 110 Teilnehmer mit einer Diabetesdauer von rund fünf Jahren und 42 stoffwechselgesunde Kontrollpersonen. Alle Probanden durchliefen eine 45-minütige Reihe an verschiedenen kognitiven Tests, die unterschiedliche kognitive Domänen ansprachen, wie unter anderem das verbale Gedächtnis. Bei diesem Test zum verbalen Gedächtnis wurden die Teilnehmer aufgefordert sich an möglichst viele der Ihnen zuvor vorgelesenen 15 Worte zu erinnern und diese zu wiederholen.

Im Durchschnitt waren die Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes sowie die stoffwechselgesunden Kontrollpersonen 50 Jahre und die Teilnehmer mit Typ-1-Diabetes 35 Jahre alt.

Der BMI beeinflusst die kognitive Funktion

Es stellte sich heraus, dass bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, nicht jedoch Typ-1-Diabetes, das verbale Gedächtnis zum Zeitpunkt der Diagnose geringer war als bei den stoffwechselgesunden Kontrollpersonen. Fünf Jahre nach Diagnose war dieser Unterschied auch zwischen den beiden Diabetestypen sichtbar. So zeigten Patienten mit Typ-2-Diabetes ein schlechteres verbales Gedächtnis als Patienten mit Typ-1-Diabetes. Weiterhin stellten die Untersuchungen heraus, dass ein hoher Body Mass Index (BMI) mit einer schlechteren Gedächtnisleistung bei Patienten mit neu-diagnostiziertem Typ-2-Diabetes assoziiert war. Das bedeutet, übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigten schlechtere Testergebnisse als normalgewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes. Ein höherer BMI könnte somit einen potenziellen Risikofaktor für eine verminderte kognitive Funktion darstellen, vermuten die Autoren am DDZ.

Dass sich lediglich Beeinträchtigungen im verbalen Gedächtnis und nicht in weiteren kognitiven Domänen bei Studienteilnehmern mit Typ-2-Diabetes zeigten, führen die Autoren auf die insgesamt gute Blutzuckerkontrolle, die kurze Diabetesdauer und das junge Alter der Teilnehmer zurück. So zeigen zahlreiche Studien insbesondere bei Patienten mit höherem Alter, einer langjährigen Diabetesdauer und/ oder unzureichender Blutzuckereinstellung Verminderungen in der kognitiven Funktion.

Fazit der Autoren: Erhöhtes Risiko bei Übergewicht

Durch die Untersuchung wird deutlich, dass bei Übergewicht nicht nur das Diabetesrisiko, sondern auch das Risiko für eine frühe kognitive Beeinträchtigung steigt. Die Autoren vermuten funktionelle und strukturelle Veränderungen im Gehirn, die durch Übergewicht verursacht werden können und schließlich zu Verminderungen im verbalen Gedächtnis beitragen können. Welche Mechanismen genau dazu führen, ist bislang allerdings unklar. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten sich aber bewusst sein, dass es sich bei kognitiven Verminderungen um eine frühe Folgeerkrankung des Diabetes handeln könnte.

 

Quelle:
Van Gemert T et al.
Cognitive Function Is Impaired in Patients with Recently Diagnosed Type 2 Diabetes, but Not Type 1 Diabetes. J Diabetes Res. (online) 9. August 2018 https://doi.org/10.1155/2018/1470476

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Klinische Studien