Ernährung

Einfluss des Mikrobioms auf den Blutzucker

Es ist bekannt, dass die Darmflora den Blutzuckerverlauf nach dem Essen beeinflusst. Je nachdem, welche Bakterienstämme im Darm überwiegen, kann der Blutzuckeranstieg nach dem Verzehr des gleichen Lebensmittels bei verschiedenen Menschen jedoch unterschiedlich verlaufen.

Während bei einem Menschen der Blutzucker nach dem Verzehr von beispielsweise einer Banane nur leicht und nach dem Genuss einer Portion Kekse stark ansteigt, ist dies beim anderen Menschen möglicherweise genau umgekehrt. Der Grund hierfür sind Unterschiede im Darm-Mikrobiom – d. h. in der individuellen Zusammensetzung der Darmflora. Diese spannenden Ergebnisse haben Wissenschaftler aus Israel veröffentlicht.

Das Mikrobiom verändert die Stoffwechselantwort

Die Studiengruppe untersuchte dazu das Darm-Mikrobiom bei 800 Menschen ohne bekannte Diabeteserkrankung. Zusätzlich wurden Blutwerte, Körpergewicht, Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie Blutzuckerwerte mittels kontinuierlicher Glukosemessung von den Teilnehmer erhoben. Aus den Ergebnissen entwickelten die Forscher einen Algorithmus, mit dem sich die postprandiale Blutzuckerantwort – d. h. der Blutzuckerverlauf nach dem Essen – vorhersagen ließ.

Individuelle Ernährung zur Modifikation der Darmflora

Anhand des oben genannten Algorithmus erarbeiteten die Forscher für eine weitere Gruppe an Studienteilnehmer ein individuell angepasstes Ernährungsprogramm und führten erneut Untersuchungen durch.

Tatsächlich veränderte sich die Darmflora unter den personalisierten Diäten bereits innerhalb kürzester Zeit (ca. 1 Woche). Dies schlug sich entsprechend auch auf die postprandialen Blutzuckerverläufe nach dem Verzehr verschiedener Lebensmittel nieder.

Das Fazit der Studienautoren

Der Blutzucker reagiert bei Menschen nicht einheitlich auf Nahrungsmittel. Je nachdem, wie sich das Darm-Mikrobiom zusammensetzt, können die Blutzuckerverläufe nach der Aufnahme bestimmter Lebensmittel unterschiedlich sein. Vor diesem Hintergrund könnte es sinnvoll sein, Ernährungsempfehlungen weniger pauschal auszusprechen. Vielmehr sollten Ernährungsprogramme stattdessen stärker personalisiert werden. Allerdings ist weiterer Forschungsbedarf nötig, da derzeit noch zu wenig konkrete Daten über den Einfluss der zahlreichen Bakterienspezies und ihrem Vorkommen im Darm bekannt ist.

 

Quelle:
Zeevi D et al. Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses. Cell 2015; 163: 1079-109

Tags
Mehr
Klinische Studien