Ursachen / Risikofaktoren

Durch Gentest lässt sich Risiko für Typ-1-Diabetes voraussagen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Testverfahren entwickelt, bei dem zahlreiche Erbanlagen mit Risikogenen für Typ-1-Diabetes erfasst werden. Dieser Test erkennt bereits bei Säuglingen, ob das Risiko für Typ-1-Diabetes im späteren Verlauf des Lebens erhöht ist.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch den Vergleich von Erbanlagen bei Menschen mit und ohne Typ-1-Diabetes zahlreiche wichtige Risikogene entdeckt. Diese konnten in einem Testverfahren für die Abschätzung des Typ-1-Diabetes-Risikos (Stratifizierung) erfolgreich kombiniert werden.

Vererbung spielt bei Typ-1-Diabetes eine Rolle

Beim Typ-1-Diabetes attackiert das körpereigene Abwehrsystem Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das lebenswichtige körpereigene Hormon Insulin produzieren und freisetzen. Die Ursachen hierfür sind bisher nur teilweise geklärt. Es ist bereits bekannt, dass bei der Fehlsteuerung des Immunsystems unter anderem verschiedene Erbanlagen eine wichtige Rolle spielen können. Entsprechend erhöht sich auch die Gefahr eines Typ-1-Diabetes, wenn Eltern oder Geschwister bereits erkrankt sind. Bei rund 90 % aller Kinder mit Typ-1-Diabetes sind Verwandte ersten Grades jedoch nicht von der Erkrankung betroffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen deshalb herausfinden, wie man bei diesen Kindern schon frühzeitig ein erhöhtes Typ-1-Diabetes-Risiko erkennen kann.

Weltweite Verlaufsbeobachtungsstudie als Daten-Grundlage genutzt

Das internationale Forschungsteam aus Deutschland, den USA sowie Finnland und Schweden, prüfte einen Risikoscore für Typ-1-Diabetes, der viele verschiedene vererbte Risikoanlagen einbezieht. Für die Untersuchung wurden Daten von über 3.000 Kindern ausgewertet, die an der TEDDY-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) teilnehmen. TEDDY ist die weltweit größte laufende Beobachtungsstudie zur Erforschung der Krankheit Typ-1-Diabetes. Im TEDDY-Projekt werden Kinder vom Säuglingsalter an bis zum
15. Lebensjahr beobachtet. Ziel ist es, herausfinden, warum einige Menschen an Typ-1-Diabetes erkranken und andere nicht. Mit den Forschungsergebnissen sollen auch mögliche Behandlungsansätze entwickelt werden, um dem Ausbruch eines Typ-1-Diabetes vorzubeugen.

Verbesserte Risikoberechnung entdeckt gefährdete Kinder schon ab der Geburt

Tatsächlich gelingt es mit dem neuen Testverfahren, das bis zu 41 Genregionen einbezieht, bei Säuglingen das Risiko für einen späteren Typ-1-Diabetes vorauszusagen: Wurden mit dem Testverfahren bestimmte Werte erreicht, war das Risiko für den Ausbruch eines Typ-1-Diabetes bis zum 10. Lebensjahr um mindestens das 25-fache erhöht.

Das Fazit der Studie und Ausblick

Das neue Testverfahren ist eine wichtige Hilfe, um das erhöhte Risiko für einen Typ-1-Diabetes bereits früh zu entdecken. Der neue Erbanlagentest lässt sich bereits im Säuglingsalter durchführen. Kinder, bei denen ein erhöhtes Risiko festgestellt wird, können an einer Studie zur Vorbeugung von Typ-1-Diabetes teilnehmen.

 

Quelle:
Bonifacio E et al. Genetic scores to stratify risk of developing multiple islet autoantibodies and type 1 diabetes: A prospective study in children. PLoS Med 2018; 15: e1002548

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Klinische Studien