Notfälle

Diabetische Ketoazidose & Koma Diabeticum

Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Komplikation, die vor allem bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auftritt. Ihre Ursache ist die ausgeprägte Erhöhung des Blutzuckerspiegels (Blutglukosespiegels) durch Mangel an Insulin. Ist nicht ausreichend Insulin vorhanden, kann der Zucker aus dem Blut nicht mehr in die Körperzellen aufgenommen werden – diesen fehlt dadurch Energie für die Stoffwechselprozesse. Der Körper leitet daraufhin den Abbau von Fettgewebe ein, um seinen Energiebedarf zu decken. Das Fett wird zu Fettsäuren, die Fettsäuren werden unvollständig zu so genannten Ketonkörpern abgebaut. Die erhöhte Konzentration von Ketonkörpern führt zu einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes, es entsteht die Ketoazidose mit folgenden möglichen Symptomen:

  • Mundtrockenheit
  • trockene Haut
  • starke Übelkeit mit Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Azetongeruch in der Atemluft (ähnelt dem Geruch von Nagellack oder Obst)
  • tiefe Atmung (Kußmaul-Atmung)
  • starke Müdigkeit / Schläfrigkeit
  • Durst
  • häufiges Wasserlassen (Polyurie)
  • nächtliches Wasserlassen (Nykturie)
  • Schwächegefühl
  • Benommenheit
  • Verwirrung
  • Sehstörungen

Die Ketoazidose kann unbehandelt zum Koma Diabeticum führen, einer komplexen Stoffwechselentgleisung mit Bewusstseinsverlust und akuter Lebensgefahr für den Patienten.

Therapie

Eine diabetische Ketoazidose muss auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden. Zur Therapie gehören unter anderem die intravenöse Gabe von Insulin, Glukose, Kalium und vor allem Flüssigkeit, um den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.

Prävention

Die diabetische Ketoazidose entsteht durch eine ausgeprägte Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Daher sollten Menschen mit Diabetes, die bei sich anhaltende Blutzuckerwerte von über 240 mg/dl (13,3 mmol/l) messen, oder bei ersten Anzeichen einer Ketoazidose den Ketongehalt ihres Urins mittels Keton-Teststreifen überprüfen. Auch bei fieberhaften Infekten sollten Blutzucker- und Ketonwerte regelmäßig und ggf. in engeren Abständen gemessen werden, da der Insulinbedarf des Körpers in solchen Situationen steigt. Hat der Patient während der Infektion weniger Appetit und nimmt weniger Nahrung auf, darf dies also nicht automatisch zum Auslassen der Insulin-Injektion führen. Denn durch den erhöhten Insulinbedarf bei gleichzeitig verminderter Insulinzufuhr steigt die Gefahr einer Ketoazidose.

Stellt der Patient Ketonkörper im Urin fest (Ketonurie), sollte er viel trinken und körperliche Betätigung so weit wie möglich vermeiden. Verschwindet die Ketonurie innerhalb der nächsten acht Stunden nicht, muss der Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen. So kann er einer ketoazidotischen Stoffwechselentgleisung vorbeugen.

 

Quelle:
American Diabetes Association. Classification and diagnosis of diabetes. Sec. 2. In Standards of Medical Care in Diabetes – 2017. Diabetes Care 2017; 40 (Suppl. 1):S11–S24

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Klinische Studien