Typ-2-Diabetes

Diabetes und Schwangerschaft: mit Typ-2-Diabetes schwanger werden

Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Viele jüngere Patientinnen mit Typ-2-Diabetes sind nicht geschult und unzureichend über das erhöhte Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft und die Notwendigkeit einer Schwangerschaftsplanung informiert. Sie werden häufig erst nach der 10. Schwangerschaftswoche mit unbefriedigender Blutzuckerkontrolle zur Stoffwechseloptimierung zugewiesen.

Jüngere Frauen mit Typ-2-Diabetes leiden häufig auch an Übergewicht sowie Bluthochdruck oder einer Fettstoffwechselstörung, die ebenfalls zu einem höheren Schwangerschaftsrisiko führen können. In Vergleichsstudien wiesen Frauen mit Typ-2-Diabetes schlechtere Schwangerschaftsergebnisse als Patientinnen mit Typ-1-Diabetes auf. Häufig werden Frauen mit Typ-2-Diabetes zu Beginn der Schwangerschaft nur diätetisch oder mit antidiabetisch wirkenden Medikamenten behandelt. Diese können aufgrund ihrer Wirkung zum Teil zu möglichen Missbildungen des Ungeborenen führen.

Gerade stark übergewichtige junge Frauen sollten bei Kinderwunsch ermutigt werden, durch Ernährungsumstellung und mehr Bewegung eine Gewichtsabnahme vor der Schwangerschaftsplanung zu erzielen.

Erhöhtes Risiko für Kinder von Müttern mit Diabetes

Kinder von Schwangeren mit Diabetes entwickeln 4-mal häufiger als Kinder von Müttern ohne Diabetes Missbildungen am Herzen, den Knochen oder den Nieren. Sie entstehen durch eine nicht adäquate Blutzuckereinstellung in den ersten Wochen der Schwangerschaft. Daher sollte eine Schwangerschaft bei Frauen mit Diabetes geplant werden. Ist der Blutzucker dagegen erst im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zu hoch, kann das Kind zu groß und zu schwer (Geburtsgewicht über 4500g) werden. Dies kann bei der Geburt zu Komplikationen führen.

Als Risiken für Mütter mit Typ-2-Diabetes sind eine Neigung zu Fehlgeburten, Frühgeburten oder einem plötzlichen Fruchttod (Präklampsie) zu nennen. Ebenfalls kann es zu häufigen Harnwegsinfektionen und Nierenbeckenentzündungen, einer vorzeitigen Wehentätigkeit sowie der Entwicklung eines Bluthochdruckes in der Schwangerschaft kommen. Die Sterblichkeit im Rahmen der Geburt (perinatale Sterblichkeit) ist bei manchen Forschungen größer als bei Frauen mit Typ-1-Diabetes.

Weiterhin sind Frauen gefährdet, bei denen bereits Spätschäden des Diabetes, z. B. Nierenschäden, Augenhintergrunds-Veränderungen oder ein erhöhter Blutdruck vorliegen. Bei diesen Schwangeren sind Durchblutungsstörungen des Mutterkuchens häufiger. Hierdurch können sich ernsthafte Schäden beim Kind entwickeln, es kommt eventuell zu klein und zu früh auf die Welt. Aber auch die Mütter sind stärker gefährdet, denn die schon bestehenden Spätschäden können schneller fortschreiten. Aus diesem Grund sollte bei Frauen mit Diabetes der Blutdruck, die Nierenfunktion und der Augenhintergrund vor einer geplanten Schwangerschaft untersucht werden. Die alleinige Messung der mittleren Blutzuckereinstellung über die letzten 3 Monate über den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) genügt nicht. Um eine adäquate Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft zu erreichen, ist es nötig, 4-6-mal täglich den Blutzucker zu messen und ebenso häufig Insulin zu injizieren je nach gemessenem Wert.

Viele Frauen mit Diabetes befürchten, dass ihr Kind auch einen Diabetes entwickeln könnte. Tatsächlich entsteht bei ca. 5 % der Kinder diabetischer Mütter später ein Diabetes mellitus.

Schwangerschaftsplanung

Eine Umstellung auf eine Insulintherapie bei Schwangerschaftsplanung ist zur Gewährleistung möglichst adäquater Blutzuckerwerte bereits zu Beginn und während der gesamten Dauer der Schwangerschaft notwendig. Die Dosierung des Insulins ist nicht immer einfach, da sich der Insulinbedarf im Verlauf einer Schwangerschaft bis zur Entbindung ändert. Gerade in den ersten Wochen können erhöhte Blutzuckerwerte den Embryo schädigen und zur Entwicklung von kindlichen Missbildungen oder zu einer Fehlgeburt führen. Ab der 24. Woche nimmt dann unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone die Empfindlichkeit für Insulin weiter ab, weswegen die Patientinnen engmaschig kontrolliert werden müssen und die Insulindosis laufend angepasst wird. Auch bei Frauen mit Diabetes wird eine natürliche Geburt zum errechneten Termin angestrebt.

Sollten sich Zeichen für eine Gefährdung von Mutter oder Kind ergeben, so kann – wie es auch bei Frauen ohne Diabetes üblich ist – ein Kaiserschnitt nötig sein. Die Entbindung sollte in einem Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik erfolgen; bei der Entbindung sollte eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt anwesend sein. Im Verlauf der gesamten Schwangerschaft und Geburt ist eine spezialisierte diabetologisch-internistische und diabetologisch-gynäkologische Betreuung dringend zu empfehlen.

 

Quellen:
Kleinwechter H et al. Diabetes und Schwangerschaft: Patientenversion der Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft 2008

Kleinwechter H et al. DDG Praxisempfehlung: Diabetes und Schwangerschaft. Diabetologie 2016; 11: S195–S201

Reinehr T. Type 2 diabetes melltus in children and adolescents. World J Diabetes 2003; 4: 270-281

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Klinische Studien