Reisen mit Diabetes

Diabetes und Reisen

Warum sollen Urlaubsziele von Menschen mit Diabetes nicht ähnlich wie bei deren Kollegen, Freunden und Verwandten Thailand, Kalifornien, Tunesien, Spanien oder aber die nähergelegene Nord- und Ostsee sein? Mit wenigen Einschränkungen können alle die Reise genießen, egal ob Mensch mit oder ohne Diabetes. Wir möchten Ihnen grundlegende Tipps geben, damit Sie vor und während Ihrer Reise MIT Diabetes alles Notwendige im Blick haben:

Eine gute Vorbereitung ist sprichwörtlich gesehen bereits die halbe Miete – vor allem für Menschen mit Diabetes. Dies gilt für die Fernreise mit dem Flugzeug ebenso wie für eine (Kurz-)Reise mit dem Auto. Bei ersterem beginnt die Vorarbeit bereits Wochen im Voraus.

Fernreise

Zwei Monate im Vorfeld von Fernreisen sollte man sich über notwendige Impfungen (Malaria, Hepatitis, Reisedurchfall o.ä.) informieren. Hierfür stehen Ihnen Informationen des Auswärtigen Amts online zur Verfügung. Alternativ konsultieren Sie Ihren Arzt. Klären Sie hierfür, ob eine Kostenübernahme der oft kostspieligen Impfungen von Ihrer Krankenkasse möglich ist. Mit dieser sollten Sie sich darüber hinaus in Verbindung setzen, um eine Auslandkrankenversicherung einzurichten. Diese sollte Kosten für mögliche Behandlungen am Urlaubsziel oder im ungünstigsten Fall einen Rücktransport abdecken.

Darüber hinaus ist es wichtig, den behandelnden Arzt vor einer Fernreise aufzusuchen, um sich mit Ihm über die Reise, eine (mögliche) Anpassung der Tabletten- oder Insulindosis und die Berücksichtigung der Zeitverschiebung auszutauschen. Menschen mit einem insulinpflichtigen Diabetes sollten sich für Flugreisen vom behandelnden Arzt ein Attest ausstellen lassen, in dem festgehalten wird, dass das Mitführen von Insulinspritzen im Handgepäck notwendig ist. Weiterhin ist es ratsam einen mehrsprachigen “Diabetes-Ausweis” für Notfälle stets bei sich tragen.

Zur Sicherheit sollten Sie ferner den Hersteller oder Ihren Apotheker ansprechen unter welchem  Namen und in welcher Konzentration Ihr Insulin und Ihre Tabletten im Urlaubsland verkauft werden. Die nächste (englischsprachige) Arztpraxis oder Apotheke im Urlaubsziel im Vorfeld herauszufinden, ist für eine mögliche Notfallsituation ebenfalls von Bedeutung.

Reise mit dem Flugzeug

Sind diese Vorarbeiten erfolgt, kann das Kofferpacken endlich beginnen. Bei Fernreisen mit dem Flugzeug besteht das Risiko, dass das Gepäck verspätet ankommt oder verschwindet. Daher empfehlen wir Ihnen, die Utensilien und Verbrauchsmaterialien auf Ihr Gepäck und Handgepäck aufzuteilen. Da der Frachtraum des Flugzeuges häufig sehr kalte Temperaturen erreichen kann, sollten Sie insbesondere das Insulin besser ausschließlich im Handgepäck mitführen. Ist der Koffer gepackt, die Sicherheitskontrollen am Flughafen erfolgreich passiert und der Sitz im Flugzeug eingenommen, sollten Sie bereits während der Flugreise, aber vor allem am Zielort Ihren Blutzucker häufiger als normal kontrollieren und die Werte dokumentieren. Diese Dokumentation ist u.a. dafür notwendig, dass sie im Falle eines Unfalls Ihrer Auslandskrankenversicherungen belegen können, dass Sie vor dem Unfall in einen stabilen Zustand waren und der Unfall nicht aus einer Hyper- oder Hypoglykämie resultierte.

Das häufigere Blutzuckermessen am Urlaubsort ist notwendig, da der Blutzuckerwert möglicherweise stärkeren Schwankungen unterliegt als im Alltag zu Hause. Dies kann z.B. daran liegen, dass Sie im Urlaub mehr oder auch weniger in Bewegung sind als üblich.. Hinzu kommt, dass sich je nach Reiseziel die Ernährung ändert und sich die Kohlenhydratmengen in unbekannten Speisen schwieriger einschätzen lassen. Daher kann es hilfreich sein, sich entweder bereits vorab über die landestypischen Speisen zu informieren oder entsprechende KE-Tabellen mitzuführen. Blutzuckerschwankungen können weiterhin durch das Klima im Urlaubsort, den veränderten Tagesablauf im Urlaub und den Reisestress auftreten.

Vorsicht: Große Hitze beschleunigt die Insulinwirkung und erhöht somit das Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen)!

Wichtig ist neben der vermehrten Kontrolle, Insulin, Messgeräte sowie Teststreifen keiner großen Hitze oder starker Kälte auszusetzen. So können Sie das Diabeteszubehöhr mit Hilfe von Kühltaschen oder Thermoskannen transportieren, um es vor direkter Sonneneinstrahlung, Hitze und Feuchtigkeit zu schützen. Bei Kälte sollten Sie ihr Diabeteszubehöhr nahe am Körper tragen, um Funktionsverluste zu vermeiden.

Urlaub mit dem Auto

Fahren Sie mit dem Auto in den Urlaub, sollten Sie vor Antritt der Fahrt, sowie bei längeren Fahrten alle zwei Stunden, Ihren Blutzucker messen. Bemerken Sie oder ein Mitfahrer, dass Sie Symptome (wie z.B. Heißhunger, Übelkeit, Blässe, Schweißausbrüche, Zittern, Herzrasen, Müdigkeit, Verwirrtheit) einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) vorweisen, sollten Sie umgehend anhalten und rasch wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen. Hier sind Traubenzucker, Säfte, Softdrinks und Gummibärchen behilflich. Rasch wirkende Kohlenhydrate sollten daher immer griffbereit in Ihrem Auto vorhanden sein. Fahren Sie erst weiter, wenn der Blutzuckerwert ein stabiles Level erreicht hat.

Tipp für spontane Kurztrips: Es lohnt sich, ein kleines Set mit allen nötigen Utensilien immer gepackt zu haben. So ersparen Sie sich Zeit und Nerven.

 

Quelle:
Küpper T. Aktivurlaub bei Diabetes. Diabetes aktuell 2016; 14: 68-72

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Klinische Studien