Bewegung

Diabetes und körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität trägt nicht nur zur Prävention eines Typ-2-Diabetes bei, sondern wirkt sich auch positiv auf eine bestehende Diabeteserkrankung aus. Durch Bewegung verbessert sich die Insulinsensitivität der Körperzellen, sodass mehr Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Auch kann der HbA1c-Wert, auch als Langzeit-Blutzuckerwert bekannt, durch regelmäßige körperliche Aktivität gesenkt werden. Neben den positiven Effekten auf die Diabeteserkrankung, fördert Bewegung durch einen erhöhten Energieverbrauch die Gewichtskontrolle, senkt den Blutdruck und reduziert überschüssiges Fett. Dies wirkt sich positiv auf die Entstehung und Entwicklung von Folgeerkrankungen, speziell Herz-Kreislauferkrankungen, aus. Insgesamt fördert regelmäßige körperliche Aktivität einen gesunden Lebensstil und kann zusätzlich zu einem gesteigerten Wohlbefinden, sozialen Kontakten und einem gestärkten Selbstwertgefühl beitragen.

Generell eignen sich für Menschen mit Diabetes alle Sportarten, sowohl im Ausdauer- als auch im Kraftsportbereich. Die führenden Diabetesgesellschaften empfehlen Ausdauersportarten, die das Herz-Kreislauf-System stärken, wie z.B. Nordic Walking, Laufen oder Rad fahren, sowie eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Zusätzlich sollte versucht werden möglichst viele Möglichkeiten der körperlichen Aktivität in den Lebensalltag zu integrieren (z.B. Treppen steigen, kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen) und lange Sitzperiode zu vermeiden. Die amerikanische Diabetes-Gesellschaft empfiehlt Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mindestens 150 Minuten (2,5 Stunden) Ausdauersport pro Woche, aufgeteilt auf mindestens 3 Tage. Dabei sollte spätestens an jedem 3. Tag eine körperliche Aktivität stattfinden (nicht mehr als 2 Ruhetage am Stück). Zusätzlich ist ein Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen empfehlenswert. Ältere Diabetespatienten sollten zwei- bis dreimal pro Woche ein Training zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Muskulatur sowie der Beweglichkeit, wie z.B. Yoga oder Tai Chi, durchführen.

Vor Beginn einer neuen Sportart ist es ratsam, dies kurz mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, um mögliche Risiken abzuklären. Auch sollte eine kardiologische Untersuchung stattfinden und bei der Wahl der Sportart eventuell bestehende Diabetes-Komplikationen berücksichtigt werden. Bei einer vorliegenden Retinopathie (Augenerkrankung) sind besonders Krafttraining und Kampfsportarten ungeeignet und potentiell schädlich. Übergewichtige Personen und Diabetespatienten mit einer Neuropathie sollten gelenkschonende Sportarten, wie z.B. Schwimmen oder Fahrrad fahren, bevorzugen und auf ein geeignetes Schuhwerk achten.

Besonderheiten bei einem insulinpflichtigen Diabetes

Durch die körperliche Aktivität sinkt der Insulinbedarf der Körperzellen, sodass je nach Intensität und Dauer der Aktivität eine Anpassung der Kohlenhydratzufuhr und/oder der Insulindosis erfolgen muss. Gleichzeitig kann ein zu geringer Insulinspiegel zu einem Insulinmangel führen, wodurch der Zucker aus dem Blut nicht mehr in die Muskeln aufgenommen werden kann und es zu einer Überzuckerung kommt. Um starke Blutzuckerschwankungen zu verhindern, ist eine engmaschige Kontrolle des Blutzuckers vor, während und nach der Bewegung notwendig. Dabei ist zu beachten, dass auch Unterzuckerungen auch noch mehrere Stunden nach der körperlichen Aktivität auftreten können.

Neben dem Equipment für die Blutzuckermessung, sollten Diabetespatienten immer kohlenhydrathaltige Lebensmittel, wie z.B. Traubenzucker oder Saft, sowie schnell wirksames Insulin und Glukagon bei sportlichen Aktivitäten griffbereit haben. Zusätzlich ist es ratsam, falls möglich, eine Person in der Sportgruppe darüber zu informieren, dass bei Ihnen eine Diabeteserkrankung vorliegt und wie im Notfall zu handeln ist.

 

Quellen:
American Diabetes Association. Standards of medical care in diabetes – 2017. Diabetes Care 2017 Jan; 40 (Suppl 1): 1-135

Esefeld K et al. Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie 2017; 12(Suppl 1): 212-217

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Klinische Studien