Typ-2-Diabetes

Diabetes und Depression: Bei neuer Diabetes-Diagnose leidet die Psyche oft mit

1/3der Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigen zu Beginn ihrer Erkrankung Anzeichen einer Depression. Das haben Forscherinnen und Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) jetzt herausgefunden. Ihre Studie aus Daten des DIAREG Patientinnen- und Patientenregisters in primärärztlichen Praxen wurde in der Fachzeitschrift Psychiatry Research veröffentlicht.

Typ-2-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die den betroffenen Menschen einiges abverlangt. Das betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche, unter anderem, weil die Kontrolle des Diabetes zu einem großen Teil in der Verantwortung der Patientinnen und Patienten liegt. Nach der Diagnose müssen Ernährung und Lebensstil umgestellt und die oft komplexe Therapie erlernt werden. Das führe bei vielen zu Stress und bei manchen können sich daraus depressive Symptome entwickeln, sagten das Forschungsteam um PD Dr. Wolfgang Rathmann, Institut für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ). Eine Depression wiederum könne sich negativ auf die Blutzuckerkontrolle auswirken und das Risiko für Komplikationen infolge des Diabetes erhöhen, warnen die Expertinnen und Experten.

Um herauszufinden, inwiefern das Auftreten einer Depression mit der Dauer der Diabetes-Erkrankung zusammenhängt, wurden Daten des Typ-2-Diabetes-Registers DAREG untersucht. Es wurde im Jahr 2013 mit elektronischen Daten von Patientinnen und Patienten, kombiniert mit Informationen aus Fragebögen für Ärztinnen und Ärzte sowie Betroffene, ins Leben gerufen. DAREG erfasst auch subjektive Informationen der Patientinnen und Patienten, etwa zur Lebensqualität oder zur psychischen Verfassung.

Gesundheitliche Veränderung löst Stress und Ängste aus

Für die aktuelle Untersuchung wurden Daten von 1.807 Patientinnen und Patienten (Durchschnittsalter:
69 Jahre) untersucht; 270 von ihnen (15 %) hatten Fragebögen ausgefüllt, unter anderem zu depressiven Symptomen und zur Lebensqualität. Die mittlere Punktezahl eines standardisierten Tests (CES-D) zu Anzeichen einer Depression betrug 14,8. Ab einer Punktzahl von 16 liegen Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Depression vor. Unter den Teilnehmenden, die ihre Diabetes-Diagnose vor weniger als 2 Jahren erhalten hatten, lag der Punkteschnitt im Diabetes-Test mit 20 jedoch deutlich höher. Sie zeigten also wesentlich mehr Symptome einer Depression als diejenigen mit längerer Diabetes-Dauer (2 bis weniger als 10 Jahre: 13 Punkte). Ab 16 Punkten sind die Kriterien für eine Depression erfüllt. Diesen Wert erreichten oder übertrafen 2/3 (34 %) aller Betroffenen. Bei diesen Patientinnen und Patienten war die subjektiv empfundene Lebensqualität schlechter als bei denjenigen mit weniger Symptomen einer Depression.

„Sehr wahrscheinlich steht diese erhöhte Punktzahl auf der Depressions-Skala mit emotionalem Stress aufgrund der Diagnose und dem Beginn der Therapie in Zusammenhang“, vermutetn das Forschungsteam vom DDZ. Stress durch die gesundheitliche Ausnahmesituation könne außerdem dazu führen, dass Menschen resignieren und weniger motiviert sind sich ihrer Krankheit anzunehmen.

Fazit: Anzeichen einer Depression ernst nehmen

Aufgrund der Erkenntnisse aus den Daten von Patientinnen und Patienten und der subjektiven Angaben der Studienteilnehmenden wird offensichtlich, dass viele Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes Symptome einer Depression zeigen und über eine schlechtere Lebensqualität berichten. „Es ist ratsam, neu diagnostizierte Menschen mit Typ-2-Diabetes auf Symptome einer Depression hin zu untersuchen, um sie beim Bewältigen der emotionalen Belastung des Diabetes zu unterstützen und zu verhindern, dass die Depression länger andauert“, empfehlen Rathmann sowie Kolleginnen und Kollegen.

 

Quelle:
Rathmann W et al. Increased depression symptom score in newly diagnosed type 2 diabetes patients. Psychiatry Res. 2018; 261:259-263

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Klinische Studien