Herz-Kreislauf

Diabetes kann das Herz schwächen

Eine große Übersichtsstudie zeigt, dass Menschen mit Diabetes doppelt so häufig unter einer Herzschwäche leiden wie die Normalbevölkerung. Ein gesunder Lebensstil kann beide Erkrankungen vorbeugen.

Bei einer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, ist das Herz nicht mehr in der Lage den Körper ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff zu versorgen. Noch immer ist die Prognose von Herzinsuffizienz-Patienten schlecht; die Sterberate liegt weltweit bei 20 bis 40 Prozent. Ein ungesunder Lebensstil kann ein Risikofaktor für diese Erkrankung sein.

Eine Meta-Analyse hat nun gezeigt, dass Menschen, die an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz aufweisen. Die Wissenschaftler haben Daten von insgesamt 72 prospektiven Studien ausgewertet, um den Zusammenhang dieser beiden Erkrankungen genau zu ergründen. In die Studien waren insgesamt mehr als 21 Millionen Patienten eingeschlossen.

Diabetes verdoppelt Herzinsuffizienz-Risiko

Aus den Daten der Bevölkerungsstudien wurde ersichtlich, dass das Risiko einer Herzschwäche bei Menschen mit Diabetes doppelt so hoch ist wie bei Menschen ohne Diabetes. Pro 20 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut (mg/dl) stieg das Risiko um 23 Prozent und war sogar erhöht bei Blutzuckerwerten, die eine Vorstufe des Diabetes anzeigten. Ab einem Blutzuckerwert von 110 mg/dl bzw. 6,1 mmol/l (Prädiabetes) erhöhte sich das Risiko einer Herzinsuffizienz proportional zum Blutzuckeranstieg.

In Studien, die unterschiedliche Patientengruppen untersuchten, zeigte sich bei Menschen mit Diabetes, die noch weitere Erkrankungen aufwiesen, ein um 74 Prozent erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Speziell für Typ-1-Diabetes ergab die Meta-Analyse ein beinahe um das Vierfache erhöhtes Risiko einer Herzinsuffizienz.

Diabetes beeinflusst den Stoffwechsel des Herzens

Die Autoren vermuten unterschiedliche Gründe für das hohe Herzinsuffizienz-Risiko unter Diabetes-Patienten. Zum einen können sich bei Menschen mit Diabetes in der Folge Bluthochdruck, eine koronare Herzerkrankung oder Vorhofflimmern entwickeln. Alle drei Erkrankungen gelten als etablierte Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz. Zum anderen kann sich eine spezielle diabetische Kardiomyopathie entwickeln, wodurch das Herz nicht mehr effizient arbeitet. Zu der Pumpschwäche kommt es durch Störungen im Energiestoffwechsel des Herzens durch die Diabetes-Erkrankung. Überschüssige Glukose und freie Fettsäuren im Blut führen dazu, dass sich Fett im Herzmuskel ansammelt. Diese krankhafte Herzwandverdickung macht sich durch eine verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar, denn durch die Wandverdickung und später auch -versteifung kann die Herzkammer nicht mehr genug Blut aufnehmen.

Fazit: Frühe Lebensstiländerung mindert Herzschwäche-Risiko

Um das Risiko einer Herzschwäche zu reduzieren, sollten Menschen mit Prädiabetes oder Diabetes ihren Lebensstil so früh wie möglich umstellen, sprich, regelmäßig Sport treiben, nicht rauchen, ihr Gewicht kontrollieren und sich ausgewogen ernähren, raten die Autoren der Übersichtsstudie. Auf dem Speiseplan sollten häufig Vollkornprodukte, seltener dagegen rotes und verarbeitetes Fleisch sowie zuckerhaltige Getränke stehen.

 

Quelle:
Dagfinn A et al. Diabetes mellitus, blood glucose and the risk of heart failure: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2018; 28: 1081-1091

Tags
Mehr
Klinische Studien