Epidemiologie

Deutschland: Sterblichkeit durch Typ-2-Diabetes erhöht

Mit einem neuen Berechnungsverfahren haben Wissenschaftler die Übersterblichkeit durch Typ-2-Diabetes in Deutschland untersucht: Das Risiko, zu versterben, ist für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes hierzulande drei- bis vierfach höher als ohne Diabeteserkrankung.

Übersterblichkeit bei Typ-2-Diabetes untersucht

In Deutschland gab es bislang nur Schätzungen zur Sterblichkeit aufgrund eines Typ-2-Diabetes. Danach sind hierzulande rund 140.000 Todesfälle pro Jahr auf eine Typ-2-Diabeteserkrankung zurückzuführen. Wissenschaftler um Thaddäus Tönnies vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf verwendeten jetzt erstmals eine neuartige Methode, um die Übersterblichkeit – auch „Exzess-Mortalität“ genannt – beim Typ-2-Diabetes genauer zu berechnen. Hierfür nutzten die Wissenschaftler zusammengefasste („aggregierte“) Daten, die in der Vergangenheit veröffentlicht wurden.

Konkret ging das Studienteam folgender Frage nach: Wie hoch ist die Sterblichkeit bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gegenüber altersgleichen Personen ohne Diabeteserkrankung? Um diese Frage zu klären, wurden Daten aus der Gruppe der 65- bis 90-jährigen Männer und Frauen in Deutschland analysiert. Die Auswertung erfolgte für die gesamte Altersgruppe sowie auch unterteilt nach Altersstufen.

Drei- bis vierfach höhere Sterblichkeit wegen Typ-2-Diabetes

Das Ergebnis: Wie erwartet war die Sterblichkeit bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes höher als bei Menschen ohne Diabeteserkrankung. Für Männer zwischen 65 und 90 Jahren stieg das Sterblichkeitsrisiko um das 2,3-fache an, wenn bei ihnen eine Typ-2-Diabeteserkrankung vorlag. Bei Frauen mit Typ-2-Diabetes war das Risiko, zu versterben, sogar um das 3-fache höher im Vergleich zu Frauen ohne Diabetes.

Die Unterschiede beim Sterblichkeitsrisiko zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes zeigten sich umso größer, je jünger die Männer und Frauen waren: im Alter zwischen 65 und 69 Jahren lag das Sterblichkeitsrisiko bei Typ-2-Diabetes um das 2,8-fache (Männer) bzw. sogar um das 4,2-fache (Frauen) höher. Diese Übersterblichkeit verringerte sich mit zunehmendem Alter und betrug das 1,6-fache (Männer) bzw. das 1,7-fache (Frauen) in der Altersgruppe der 85-bis 90-Jährigen. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass das Risiko zu Versterben – zum Beispiel durch Krebs oder Herzkreislauf-Ereignisse – mit zunehmendem Alter generell ansteigt.

Hohe Übersterblichkeit in Deutschland – besonders bei Frauen

Warum Frauen von einer höheren Übersterblichkeit betroffen sind als Männer mit Typ-2-Diabetes, bleibt zu klären. Die Autoren der Studie vermuten, dass eine schlechtere Versorgungsqualität für Frauen mit Typ-2-Diabetes, ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko bei Frauen dieser Altersgruppe und möglicherweise ein stärkerer Einfluss von Typ-2-Diabetes auf die Blutfette von Frauen eine Rolle spielen könnten.

Im Vergleich zu Ländern mit ähnlichen Gesundheitssystemen deuten die Ergebnisse auf eine höhere Übersterblichkeit in Deutschland hin. Zum Beispiel wird in Schweden und Kanada für die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen eine 1,5-fach bzw. 1,7-fach erhöhte Sterblichkeit berichtet.

Das Fazit der Studienautoren

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Sterblichkeit bei Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland drei- bis vierfach höher ist als bei altersgleichen Gruppen ohne Typ-2-Diabeteserkrankung. Ein weibliches Geschlecht und ein jüngeres Alter waren mit einer besonders hohen Übersterblichkeit verbunden. Im Vergleich zu Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen (z. B. Schweden und Kanada) scheint die Übersterblichkeit in Deutschland ausgeprägter zu sein, insbesondere bei Frauen.

 

Quelle:
Tönnies T et al. Excess mortality for people diagnosed with type 2 diabetes in 2012 – Estimates based on claims data from 70 million Germans. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2018; doi: 10.1016/j.numecd.2018.05.008. [Epub ahead of print]

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Klinische Studien