Augen

Deutlich weniger Erblindungen in Deutschland

Diabetes ist eine häufige Ursache für Erblindung. Neue Zahlen aus Baden-Württemberg liefern jetzt eine gute Nachricht: Die Erblindungshäufigkeit in Deutschland ist offenbar deutlich zurückgegangen.

In den westlichen Industrienationen stellt die diabetische Retinopathie nach wie vor die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im erwerbsfähigen Alter dar. Infolge der Diabeteserkrankung kann es zu einer andauernden Schädigung der kleinen Gefäße der Netzhaut (Retinopathie) und des gelben Flecks (Makulopathie) des Auges kommen. Die Folge ist für viele Betroffene eine Einschränkung der Sehfähigkeit, die bis zur Erblindung gehen kann.

Maßnahmen zur Vermeidung von schwerer Einschränkung der Sehfähigkeit und Erblindung

Seit den 90er Jahren hat sich in Deutschland einiges im Hinblick auf Maßnahmen zur Vermeidung von schwerer Einschränkung der Sehfähigkeit und Erblindung bei Menschen mit Diabetes bewegt. Zum Beispiel gibt es Leitlinien, die regelmäßige Untersuchungen des Augenhintergrundes empfehlen. Ziel ist es, damit die diabetische Retinopathie frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Schließlich soll damit auch das Risiko für eine Erblindung gesenkt werden.
Daten einer breit angelegten Untersuchung aus Süddeutschland weisen auf eine positive Entwicklung hin.

„Blind“ heißt in Deutschland weniger als ein 50stel der normalen Sehkraft

Für die Studie haben Wissenschaftler am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) die Zahl der Anerkennungen für Blindenhilfe als Indikator für Neuerblindungen bei Menschen mit und ohne Diabetes in Baden-Württemberg untersucht. Hierfür arbeiteten die Forscher mit dem Landesgesundheitsamt und den örtlichen Sozialhilfeträgern zusammen.
Erfasst wurde die Zahl der neu anerkannten Blindengeldempfänger zwischen 2008 und 2012: das waren insgesamt 1.897 Personen. Bei knapp einem Viertel der Blindengeldempfänger handelte es sich um Menschen mit Diabetes. Von „Blindheit“ wird in Deutschland gesprochen, wenn die Sehfähigkeit beim Betroffenen weniger als ein Fünfzigstel der normalen Sehkraft beträgt.

Erblindungsrisiko bei Menschen mit und ohne Diabetes

Für den Zeitraum 2008 bis 2012 stellten die Wissenschaftler einen deutlichen Rückgang der Erblindungshäufigkeit sowohl für Menschen mit als auch ohne Diabetes fest: Während im Jahr 2008 noch zirka 17 von 100.000 Personen mit Diabetes als Blindengeldempfänger registriert waren, lag dieser Anteil im Jahr 2012 „nur“ noch bei etwa 9 von 100.000 Personen.

Der Rückgang der Neuerblindungen zeigte sich bei Menschen mit Diabetes dabei etwas stärker ausgeprägt als bei Personen ohne Diabeteserkrankung. Im Jahr 2008 hatten Menschen mit Diabetes im Vergleich zu Personen ohne Diabetes noch ein etwa doppelt so hohes Risiko, zu erblinden. Im Jahr 2012 war das Risiko nicht mehr doppelt, sondern „nur“ noch 1,4 mal so hoch. Die gefundenen Ergebnisse waren sehr ähnlich bei Männer und Frauen, so dass beide Geschlechter in gleichem Maße von dem Rückgang profitierten.

Das Fazit der Studienautoren

Das Erblindungsrisiko hat in der Bevölkerung in Süddeutschland deutlich abgenommen. Der Rückgang zeigte sich vor allem bei Menschen mit Diabetes, aber auch bei Personen ohne Diabeteserkrankung. Gründe für diese erfreuliche Entwicklung sind vermutlich Verbesserungen sowohl bei der Versorgung von Menschen mit diabetischer Retinopathie als auch bei der Früherkennung und Behandlung von Augenerkrankungen, wie den grauen Star (Katarakt), den grünen Star (Glaukom) und der altersbedingten Makula-Degeneration.

Nichtsdestotrotz besteht weiterhin Handlungs- und Forschungsbedarf, insbesondere wenn man berücksichtigt dass die Definition von Erblindung in Deutschland streng ist – Kenntnisse über Menschen mit schwerer Seheinschränkung fehlen derzeit.

 

Quelle:
Claessen H et al. Markedly Decreasing Incidence of Blindness in People With and Without Diabetes in Southern Germany. Diabetes Care 2018; 41: 478-484

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Klinische Studien