Typ-2-Diabetes

Depression häufig unerkannt – und unbehandelt

Ab einem Alter von 50 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Typ-2-Diabetes zusätzlich mit psychischen Belastungen oder gar Erkrankungen einhergeht. In einer aktuellen Studie zeigen sich für Patienten um die Sechzig bei fast jedem Dritten Anzeichen einer Depression.

Das zeigt, stellvertretend für andere Industriestaaten, eine Studie aus Australien. Dort nahmen Präventivmediziner zusammen mit Diabetes-Experten die Krankheitsumstände von mehr als 2.500 Patienten unter die Lupe. Betreut und behandelt wurden diese allesamt in einem von fünfzig Diabeteszentren. Dort laufen die Patientenakten in einer australischen Diabetes-Datenbank namens ANDA (Australian National Diabetes Audit) zusammen. Anhand eines bewährten Auswerterasters sammelten die Präventivmediziner Hinweise darauf, dass bei 29 Prozent dieser ANDA-registrierten Patienten eine Depression vorlag.

Fast jeder Dritte betroffen

Hielten sich Patienten nicht an Ernährungsempfehlungen oder an Vorgaben zur Einnahme von Medikamenten, begünstigte das offenbar eine depressive Erkrankung. Auch rauchende Patienten mit Typ-2-Diabetes waren häufiger depressiv. Allerdings warnten die Autoren vor dem Rückschluss, Diabetes mache generell anfälliger für Depressionen. Die Studie konnte einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen nicht klären. Denn Patienten mit Depressionen könnten auch anfälliger für eine Diabetes-Erkrankung sein.

Belastung ist nicht gleich Depression

Getrennt vom Krankheitsbild der Depression erfassten die Wissenschaftler auch die allgemeinen und diabetesbezogenen Belastungen im Leben der Patienten. Solche Belastungen können in der Therapie ebenso ihre Ursache haben wie in der globalen Gefühlswelt der Patienten – also unabhängig und anders geartet als bei einer Depression. Die Ärzte wiesen solche Belastungen bei zwei Dritteln der ca. 2.500 Patienten nach. Die Autoren der Studie machen darauf aufmerksam, dass die Herangehensweise zur Verminderung dieser Belastungen eine andere Vorgehensweise nötig macht als bei einer Depression.

Nicht auf sich beruhen lassen

Die Studienautoren empfehlen, frühzeitig etwas zu unternehmen, um den psychischen Zustand zu verbessern. Denn wer sich zum Beispiel schlecht um seinen Typ-2-Diabetes kümmert, tut dies nach Einsetzen einer Depression womöglich noch schlechter, heißt es in der Studie.
Bei nur knapp der Hälfte der betroffenen diabetischen Patienten wurde die Depression medikamentös und/oder psychologisch behandelt. Das Ergebnis, dass insgesamt ein Drittel der Patienten mit Typ-2-Diabetes depressiv waren, entspricht den Erkenntnissen aus älteren Studien, denen zufolge sich das Risiko verdreifacht, eine Depression zu bekommen, wenn eine Diabetes-Erkrankung vorliegt.

Das Fazit der Autoren

Zur Selbstfürsorge gehört bei Diabetes, außer sich um die eigentliche Erkrankung zu kümmern, auch Anzeichen für eine Depression wahr und ernst zu nehmen. Dabei können das soziale Umfeld, also Familie und Freunde, eine nützliche Hilfe darstellen. An klinisch tätige Ärzte senden die Studienautoren die Botschaft, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes routinemäßig auf Anzeichen von Depression oder krankheitsbezogenen Belastungen zu achten.

 

Quelle:
Nanayakkara N et al. Depression and diabetes distress in adults with type 2 diabetes: results from the Australian National Diabetes Audit (ANDA) 2016. Scientific Reports 2018; 8:7846.

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Klinische Studien