Augen

Das Auge liefert Hinweise auf drohende diabetische Nervenschäden

Das Auge zeigt, was an den Füßen droht: Ein neues Untersuchungsverfahren bewertet den Zustand der Nervenfasern in der Hornhaut des Auges und könnte damit frühzeitig Nervenschädigungen bei Diabetes aufdecken.

Etwa jeder dritte Menschen mit Diabetes entwickelt im Laufe seiner Erkrankung diabetische Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie). Oft machen sich diese vor allem an Beinen oder Füßen bemerkbar, aber auch andere Bereiche bzw. Organe können betroffen sein. Eine diabetische Neuropathie kann für den Betroffenen sehr belastend sein und spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung des diabetischen Fußsyndroms. Daher wird intensiv daran geforscht, wie sich diabetische Nervenschäden rechtzeitiger und früher erkennen lassen.

Bisher werden diabetische Nervenschäden z.B. durch Sensibilitätstests diagnostiziert oder die Diagnose einer Schädigung der besonders kleinen Nervenfasern durch eine kleine Hautprobe am Unterschenkel gesichert. Ein neues Untersuchungsverfahren soll eine Schädigung dieser kleinen Nervenfasern diagnostizieren können, ohne, wie bei einer Hautprobe, Gewebe entnehmen zu müssen. Da sich in der Hornaut des Auges („Kornea“, an der Oberfläche des Auges gelegen) ebenfalls sehr viele kleine Nervenfasern befinden, könnten diese in der Zukunft ebenfalls wichtige frühe Hinweise auf eine drohende Neuropathie liefern.

Die Hornhaut hat das dichteste Nervengeflecht des Körpers

Die Hornhaut des menschlichen Auges erfüllt wichtige Funktionen. Eine davon ist der Schutz des Auges vor äußeren Einwirkungen. Dafür ist die Hornhaut mit zahlreichen Nervenfasern durchsetzt, die das Auge sehr empfindlich auf äußere Reize reagieren lassen: Schon geringe Irritationen oder Reizungen, z.B. durch Trockenheit oder Fremdkörper, führen zu einem reflexartigen Schließen der Augenlider und vermehrter Tränenproduktion.

Neues Verfahren zur Untersuchung der Hornhaut: CCM

Die korneale konfokale Mikroskopie (CCM) ist eine neue Methode, die erst seit wenigen Jahren bekannt ist. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Hornhautstruktur des Auges am Patienten untersuchen. Hierfür wird der Blinzelreflex des Auges durch einen leicht örtlich-betäubenden Augentropfen vorübergehend unterdrückt und mit einer sterilen Plastikkappe auf dem Hornhaut-Mikroskop das Auge leicht berührt. Die Pupille muss durch den Augentropfen nicht vergrößert werden, da das Auge nur oberflächlich „fotografiert“ wird. Das hochauflösende Mikroskop macht das Nervenfasergeflecht der Hornhaut durch 800-fache Vergrößerung für den Untersucher sichtbar. Dafür beleuchtet das spezielle Lichtmikroskop nacheinander einzelne Abschnitte der Hornhaut. Anschließend werden mehrere, repräsentative Teilaufnahmen separat ausgewertet oder ein Gesamtbild der Hornhaut rekonstruiert. Mit Hilfe digitaler Bildverarbeitung lässt sich das Nervenfasergeflecht vermessen: Bewertet wird die Gesamtlänge der Nervenfasern, die Zahl der Nervenfasern sowie der Nervenverzweigungen pro Fläche.

Dichte der Nervenfasern bei Diabetes verringert

Studien aus Deutschland fanden heraus, dass eine Abnahme der Nervenfaserdichte in der Hornhaut des Auges auf eine beginnende Neuropathie hindeutet: Die Länge der Nervenfasern, ihre Dichte und die Anzahl der Verzweigungen sind ein direkter Gradmesser für das Ausmaß der Neuropathie. Bei Diabetikern war die Dichte der Nervenfasern in der Hornhaut bereits verringert, noch bevor es in anderen Körperregionen irgendwelche Anzeichen für eine Nervenschädigung gab.

Mittlerweile haben Wissenschaftler das Verfahren weiter verfeinert: Zusätzlich zur CCM-Messung kann eine räumliche Analyse zum Verteilungsmuster der Nervenfaserverzweigungspunkte durchgeführt werden (sog. „spatial point pattern analysis“, SPPA). Kürzlich konnte eine Studie zeigen, dass ein weites Auseinanderliegen oder ein „geballtes Auftreten“ (Clustering) der Nervenfaserverzweigungspunkte ebenfalls auf eine Neuropathie hinweisen.

Das Fazit der Autoren

Mit den in Studien getesteten Verfahren lassen sich Nervenfaserstrukturen in der Hornhaut des Auges darstellen und vermessen. Experten gehen davon aus, dass Veränderungen dieser Hornhaut-Nervenfasern einer diabetischen Neuropathie in anderen Körperregionen vorausgehen. Die korneale konfokale Mikroskopie (CCM) könnte somit in der Zukunft für die Früherkennung einer diabetischen Neuropathie hilfreich sein.

 

Quelle:
Ziegler D et al. Spatial analysis improves the detection of early corneal nerve fiber loss in patients with recently diagnosed type 2 diabetes. PLoS One 2017; 12: e0173832

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Klinische Studien