Typ-2-Diabetes

Blutdruck- und Cholesterinwerte beeinflussen die Lebenserwartung von Menschen mit Typ-2-Diabetes

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben im Vergleich zu der stoffwechselgesunden, gleichaltrigen Bevölkerung eine geringere Lebenserwartung bei erhöhtem Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Jedoch zeigt eine aktuelle Studie aus Schweden im Vergleich eine normalisierte Lebenserwartung von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes wenn sie nicht rauchen und die Risikofaktoren
LDL-Cholesterin, Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert), Blutdruck und Nierenwerte im Normbereich sind. Auch das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls gleicht sich dann an.

Eine große Bevölkerungsstudie (Kohortenstudie), der Universität Göteborg zeigt, dass die Alterskrankheit Diabetes mellitus nicht zwingend mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden ist. Voraussetzung für eine vergleichbare Lebenserwartung zu stoffwechselgesunden Gleichaltrigen ist ein ausgewogener Lebensstil und die Vermeidung von beeinflussbaren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterin- und Blutzucker-Langzeitwerte (HbA1c-Werte) sowie das Auftreten von Albuminurie, das heißt, die Ausscheidung von Eiweiß im Urin. Die Ergebnisse zu Sterberisiko und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Betroffenen mit Typ-2-Diabetes wurden nun im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Diabetes erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko

Eine frühere Studie dieser schwedischen Forschungsgruppe hatte gezeigt, dass das Sterbe- und Herzinfarktrisiko bei einer Diabetes-Erkrankung um das 2- bis 4-fache erhöht ist. Ob sich dieser Anstieg im Vergleich zur Normalbevölkerung abschwächt, wenn Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und schlechte Nierenwerte konsequent behandelt werden und die Betroffenen zudem nicht rauchen, wurde nun in einer weiteren Studie untersucht. Hierzu haben sie Daten von 271.174 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes (Durchschnittsalter: 60 Jahre) aus dem Schwedischen Diabetes-Register ausgewertet und die Daten von allen Patientinnen und Patienten mit den Daten von 5 gleichaltrigen und gleichgeschlechtlichen Kontrollpersonen ohne Diabetes verglichen. Die Forschungsgruppe hat dabei 5 klassische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Ereignisse und einen frühen Tod bei Menschen mit Typ-2-Diabetes unter die Lupe genommen: einen erhöhten Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert), ein erhöhter LDL-Cholesterinwert, die vermehrte Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Vorliegen einer Albuminurie), Rauchen und Bluthochdruck. Das Vorhandensein jedes einzelnen dieser 5 Risikofaktoren wurde in Beziehung gesetzt zum Auftreten von Herz-Kreislauf-Ereignissen, wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, über einen Zeitraum von 6 Jahren.

Identisches Sterberisiko bei Werten im Zielbereich

Das Ergebnis: Je mehr der 5 untersuchten Werte im Zielbereich lagen (Blutzucker-Langzeitwert unter 7,0 %, systolischer Blutdruck unter 140 mmHg, kein Eiweiß im Urin, Rauchverzicht und ein LDL-Cholesterinwert von höchstens 96 mg/dl), desto stärker schmolz das zusätzliche Risiko der Studienteilnehmenden mit Diabetes. Bei Studienteilnehmenden, die es schafften alle Risikofaktoren im Normbereich zu halten, war das Sterberisiko nur noch geringfügig höher als bei der Kontrollgruppe. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall glich sich ebenfalls an. Der Blutdruck kristallisierte sich in der schwedischen Studie als zentraler Faktor heraus, der das Auftreten aller Herz-Kreislauf-Ereignisse beeinflusste, insbesondere das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko.

Fazit: Überwachung des Blutdrucks lohnt in vielfacher Hinsicht

Da ein Diabetes aufgrund identischer Risikofaktoren – Übergewicht und Bewegungsmangel – häufig mit einem erhöhten Blutdruck einhergeht, sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes auf regelmäßige Blutdruck-Kontrollen achten. Steigt der systolische Wert über 140 mmHg und der diastolische Wert über 90 mmHg, ist eine konsequente, ärztlich geführte, Bluthochdruck-Behandlung wichtig, um Folgeschäden vorzubeugen und die Lebenserwartung positiv zu beeinflussen. Zusätzlich können eine frühzeitige Lebensstiländerung, hin zu einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität, sowie die Vermeidung eines metabolischen Syndroms (Hauptrisikofaktor für die Entstehung einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung) sich positiv auf das Diabetes-Risiko und damit auch auf die Lebenserwartung auswirken.

 

Quelle:
Rawshani A et al. Risk Factors, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2018; 379: 633-44 

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Klinische Studien