Bewegung

Bewegung nützt Menschen mit Typ-1-Diabetes dreifach: bessere Blutzuckerkontrolle, geringeres Herz-Kreislauf-Risiko und weniger Begleiterkrankungen

Wer regelmäßig, also mindestens dreimal pro Woche, Sport treibt, kann seinen durchschnittlichen Blutzuckerwert substanziell senken. Zusätzlich wirkt sich Bewegung positiv auf Bluthochdruck, Übergewicht sowie Begleiterkrankungen des Diabetes aus. Das zeigt eine Untersuchung unter mehr als 18.000 Patienten mit Typ-1-Diabetes aus Deutschland und Österreich.

Während die positiven Effekte von Bewegung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr gut belegt sind, gibt es bislang nur wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen von Sport beim Typ-1-Diabetes, auch aufgrund der Gefahr einer Unterzuckerung durch übermäßige sportliche Aktivität. Wie sich regelmäßige Bewegung tatsächlich auf Blutzuckerkontrolle und kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Betroffenen mit Typ-1-Diabetes auswirkt, haben Mediziner der Universität Ulm in dieser großen Querschnittsstudie erörtert, die in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht wurde. Basis für die Untersuchung war die Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), eine große Diabetes-Datenbank, die aktuell von 413 diabetischen Zentren in Deutschland und Österreich genutzt wird.

Fast zwei Drittel der Betroffenen mit Typ-1-Diabetes treiben keinen Sport

Die Studienteilnehmer, die alle in der DPV registriert sind, wurden gefragt, wie häufig sie sich pro Woche in ihrer Freizeit bewegen – gar nicht (63%), ein bis zweimal (20%) oder mehr als zweimal pro Woche (17%). Besonders inaktiv waren ältere Patienten. Mehr als ein Viertel der 18-29-Jährigen gab dagegen an mehr als zweimal pro Woche Sport zu treiben. Bei den ältesten Teilnehmern (45-79 Jahre) waren es nur 10%. Ermittelt wurden außerdem der Body Mass Index, Blutdruck, Blutfettwerte, Blutzuckerkontrolle, das Auftreten von diabetischen Begleiterkrankungen. Im Schnitt waren die Patienten 33 Jahre alt; 45% von ihnen waren übergewichtig und 15% adipös.

Die Ergebnisse zeigen: Diejenigen, die häufig Sport treiben, profitieren in vielerlei Hinsicht: Ihre Blutzuckerkontrolle war besser als die der Nicht-Sportler; zudem sind Sportler seltener übergewichtig, zeigen bessere Blutfettwerte und leiden seltener unter den untersuchten Begleiterkrankungen als Bewegungsmuffel. Schwere Hypoglykämien traten in allen Bewegungsgruppen gleich häufig auf. Das bedeutet: Die Gefahr einer Unterzuckerung war bei Sportlern nicht höher als bei Nicht-Sportlern. Bei einer detaillierten Untersuchung aller weiblichen Teilnehmer stellte man jedoch fest, dass unter den aktivsten Teilnehmern am häufigsten Unterzuckerungen auftraten. Daher sollten sich Frauen mit Typ-1-Diabetes hierzu von einem erfahrenen Diabetologen beraten lassen, raten die Wissenschaftler aus Ulm.

Fazit: Viel Sport hilft viel, auch Menschen mit Typ-1-Diabetes

Die große Studie aus Ulm zeigt, dass Patienten mit Typ-1-Diabetes, die einen aktiven Lebensstil praktizieren und – natürlich immer unter der Berücksichtigung des individuellen Hypoglykämie-Risikos – in ihrer Freizeit regelmäßig Sport treiben, das Risiko für gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken und ihre Blutzuckerkontrolle verbessern können.

 

Quelle:
Bohn B et al. Impact of Physical Activity on Glycemic Control and Prevalence of Cardiovascular Risk Factors in Adults With Type 1 Diabetes: A Cross-sectional Multicenter Study of 18,028 Patients. Diabetes Care 2015; 38:1536-1543

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Klinische Studien