Bewegung

Bewegung beeinflusst körperliche und geistige Fitness bei Typ-2-Diabetes

Bei inaktiven älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes wirkt sich ein strukturiertes Sportprogramm nicht nur positiv auf die Gehgeschwindigkeit, sondern auch auf die geistige Fitness (kognitive Funktion) aus.

In Deutschland sind 16-23 % der über 65-Jährigen von einer Diabetes-Erkrankung betroffen, Tendenz steigend. Ein inaktiver Lebensstil geht oft mit einer schlechteren Diabetes-Kontrolle und einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen einher. Mobilität und geistige Fitness zum Beispiel, nehmen bei einer Diabetes-Erkrankung schneller ab, wie vorherige Studien gezeigt haben. Inwiefern ein strukturiertes Sportprogramm diesem „geriatrischen Syndrom“ entgegen wirken kann, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA in einer Analyse der „Lifestyle Interventions and Independence for Elders“ (LIFE)-Studie untersucht.

Kann Bewegung Alterungsprozesse verlangsamen?

In der Untersuchung wurden 415 Menschen mit und 1.061 Menschen ohne Typ-2-Diabetes im Alter von 70-89 Jahren zufällig in 2 Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmenden waren nicht dement, führten aber einen inaktiven Lebensstil und hatten funktionelle Einschränkungen der unteren Extremitäten. Die Interventionsgruppe durchlief ein strukturiertes Sportprogramm, das sich aus Walking, Krafttraining sowie Dehn- und Gleichgewichtsübungen zusammensetzte. Angestrebt wurden pro Tag 30 Minuten Walking bei mittlerer Intensität, 10 Minuten Krafttraining, vor allem der unteren Extremitäten mit Gewichten an den Fußgelenken, sowie 10 Minuten Gleichgewichtstraining und Dehnung der großen Muskelgruppen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kontrollgruppe besuchten einen in den ersten 26 Wochen wöchentlich und danach monatlich stattfindenden Workshop, wo Themen zum Diabetes im Alltag (z. B. Reisen, Ernährung und altersgerechte Präventionsmaßnahmen) besprochen wurden. Zu Studienbeginn sowie 2 Jahre nach Beginn der Intervention untersuchte das Forschungsteam körperliche und geistige Veränderungen durch standardisierte Tests.

Steigerung der körperlichen und geistigen Fitness

Nach 2 Jahren konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Sportprogramm absolviert hatten, eine vorgegebene Wegstrecke von 400 m schneller zurücklegen als vor dem Programm. In den kognitiven Tests schnitten die Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes 2 Jahre nach Beginn des Sportprogramms besser ab als vorher; bei den Patientinnen und Patienten ohne Diabetes zeigten sich dagegen keine Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen.

Fazit der Autorinnen und Autoren: schwitzen statt sitzen

Die Analyse der LIFE-Studie zeigt: Ein strukturiertes Sportprogramm bringt ältere inaktive Menschen dazu, sich mehr zu bewegen. Das ist für Menschen mit Diabetes genauso vorteilhaft wie für stoffwechselgesunde Personen. Körperliche Aktivität schützt unter anderem vor Mobilitätseinschränkungen und verbessert die Gehgeschwindigkeit, wodurch aktive ältere Menschen ihren Alltag besser bewältigen können. Bei Frauen und Männern, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, scheint der Sport sich nicht nur positiv auf den Körper, sondern auch auf die kognitive Funktion auszuwirken. Dies könnte unterschiedliche Ursachen haben: Beispielsweise könnte die bessere kognitive Funktion mit einer durch die Bewegung verbesserten Diabetes-Kontrolle zusammenhängen, vermutet das Forschungsteam.

 

Quelle:
Espeland MA et al. Effects of Physical Activity Intervention on Physical and Cognitive Function in Sedentary Adults With and Without Diabetes. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2017; 72: 861-866

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Klinische Studien