Schwangerschaftsdiabetes

Behandlungsmöglichkeiten des Schwangerschaftsdiabetes

Mehr als 5% aller Schwangerschaften in Deutschland erkranken die werdenden Mütter an einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Um das Risiko kindlicher Fehlbildungen und Gefahren für die Mutter zu minimieren, ist es wichtig ein Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig zu behandeln. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Therapie. Zuerst ist es wichtig, dass die Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes lernen, den Blutzuckerspiegel mit einem Blutzucker-Messgerät selber zu messen und zu dokumentieren. Um eine Einschätzung des Blutzuckerverlaufs zu erhalten, sollte zu Beginn der Diagnose die Blutzuckerbestimmung nach dem 4-Punkte-Profil erfolgen: vor dem Frühstück und jeweils 1 bis 2 Stunden nach Beginn der drei Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen). Anhand dieser Daten können anschließend die Behandlung und das Messprofil festgelegt werden.

Nach der deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sollten folgende Blutzucker-Zielwerte angestrebt werden:

  • Nüchtern vor dem Essen: Blutzucker unter 95 mg/dl (5,3 mmol/l)
  • 1 Stunde nach dem Essen: Blutzucker unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
  • 2 Stunden nach dem Essen: Blutzucker unter 120 mg/dl (6,7 mmol/l)

Die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt und gegebenenfalls mit einem Diabetologen erfolgen. Nur durch eine engmaschige Kontrolle der Blutzuckerwerte und eine angepasste, individuelle Therapie kann das Risiko für die werdende Mutter und das Kind minimiert werden.

Ernährungstherapie

Häufig ist eine Ernährungstherapie zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes ausreichend. Dabei wird versucht die Ernährungstherapie individuell an die Bedürfnisse, Gewohnheiten und Vorlieben sowie den jeweiligen Tagesablauf der werdenden Mutter anzupassen. Im Rahmen einer Ernährungsberatung werden den betroffenen Frauen die Grundsätze einer ausgewogenen Ernährung und der Einfluss bestimmter Nahrungsmittel und Mahlzeiten auf den Blutzucker vermittelt. Zusätzlich werden Strategien aufgezeigt, zuckerhaltige Speisen und Getränke zu vermeiden bzw. in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt aufzunehmen, um starke Blutzuckeranstiege zu vermeiden.

Insulintherapie

Führt die Umstellung der Ernährung allein nicht zum Erfolg und werden die Zielwerte für den Blutzucker häufig überschritten, so muss mit einer Insulintherapie begonnen werden. Bei ca. jeder fünften Frau mit Schwangerschaftsdiabetes ist eine Insulintherapie zusätzlich zur Ernährungstherapie erforderlich. Blutzuckersenkende Tabletten, sogenannte orale Antidiabetika, dürfen nicht eingenommen werden.

Für die Insulintherapie stehen den werdenden Müttern verschiedene Insulinpräparate zur Verfügung. Meistens wird eine intensivierte Insulintherapie bevorzugt, bei der sich die Schwangere ein- bis zweimal täglich (morgens und/oder abends) ein langwirkendes Basalinsulin zur Abdeckung des Grundbedarfs und zusätzlich zu den Mahlzeiten jeweils ein kurzwirkendes Insulin spritzt. Die Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes erfolgt bis zur Geburt des Kindes. Anschließend normalisiert sich der Blutzucker der Mutter in den meisten Fällen wieder und das Insulin kann abgesetzt werden.

 

 

Quellen:

IQTIG. Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2016: Geburtshilfe. Berlin: IQTIG, 2017

Kleinwechter H. et al. Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) – Leitlinie für Patientinnen, Schwangere und Interessierte zu Diagnostik, Behandlung u. Nachsorge der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) 2012

Kleinwächter H. et al. Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Diabetologie 2016; 11: 182–194

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Klinische Studien