Augen

Augenerkrankungen

Die diabetische Retinopathie und/oder Makulopathie (Schädigung der Netzhaut bzw. des Punkts des schärfsten Sehens) gehören zu den mikrovaskulären Komplikationen eines Diabetes mellitus. Augenerkrankungen bedingt durch eine Diabetes-Erkrankung sind vielfältig: Neben der erwähnten Retinopathie und Makulopathie werden auch Entzündungen an Ober- und Unterlid, Beeinträchtigungen aller Nerven, die an der Funktion des Auges beteiligt sind, sowie Veränderungen des Augeninnendrucks (diese können zum sogenannten „Grünen Star“ führen) und Linsentrübungen beobachtet.

Häufigkeit der diabetischen Retinopathie

Bei ca. einem Viertel der Menschen mit Typ-1-Diabetes tritt im Laufe dessen eine Retinopathie auf. Beim Typ-2-Diabetes ist die Prävalenz mit durchschnittlich 12,5% ungefähr halb so groß. In einem Drittel der Fälle liegen bereits zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose Veränderungen an der Netzhaut vor. Der weitere Verlauf der Augenerkrankung hängt beim Typ-2-Diabetes von der Einstellung des Blutglukosespiegels (Blutzuckerspiegel) und der Blutdruckwerte ab. Man unterscheidet eine nicht-proliferative Retinopathie von einer proliferativen Retinopathie, wobei letztere mit einer kontraproduktiven Neubildung von Blutgefäßen einhergeht. Leider führen diese Veränderungen immer noch dazu, dass pro Jahr durchschnittlich einer von 5000 Menschen mit Diabetes erblindet.

Risikofaktoren

Die bekanntesten Risikofaktoren für die Entwicklung einer diabetischen Augenerkrankung bei Menschen mit Diabetes sind:

  • Rauchen
  • Langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel
  • Bluthochdruck
  • Eine Nierenschädigung durch Diabetes in der Vorgeschichte

Auch bei Schwangeren mit Typ-1-Diabetes kann das Risiko für Schäden an der Netzhaut erhöht sein. Insgesamt weisen Männer mit Typ-1-Diabetes aber ein höheres Risiko für eine diabetische Augenerkrankung auf als Frauen.

Diagnose

Die diabetische Retinopathie bzw. Makulopathie wird von vielen Betroffenen zunächst nicht bemerkt. Daher sollten sich Menschen mit Diabetes jährliche auf Netzhautveränderungen hin untersuchen lassen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt Betroffenen mit Typ-1-Diabetes ab dem elften Lebensjahr oder spätestens fünf Jahre nach der Diagnosestellung und Menschen mit Typ-2-Diabetes sofort nach einer Diagnosestellung eine jährliche Kontrolle des Augenhintergrundes.

Betroffene bemerken diabetische Netzhautschäden meist erst im fortgeschrittenen Stadium durch ein verschwommenes, unscharfes Sehen oder durch dunkle Flecken oder rote Schleier im Gesichtsfeld. Durch häufige kleine Blutungen oder Unterversorgung des Gewebes, kann die Netzhaut so stark geschädigt werden, dass sie sich von ihrer Unterlage ablöst. Diese Netzhautablösung kann sich, bildlich gesprochen, durch „Lichtblitze” oder „Rußregen” bemerkbar machen. Ist der Teil der Netzhaut betroffen, mit dem man am schärfsten sieht („gelber Fleck”, Makula) befindet, nehmen Betroffene einen „dunklen Vorhang” in ihrem Gesichtsfeld wahr. Die Ablösung der Netzhaut und Schädigung der Makula kann bis zur kompletten Erblindung fortschreiten.

Therapie

Die Behandlung von Patienten mit einer diabetischen Augenerkrankung sollte mit einer strengen Blutzucker- und Blutdruckeinstellung sowie einer Reduzierung anderer Risikofaktoren wie z.B. Rauchverzicht einhergehen. Bei einem weiteren Fortschreiten der diabetischen Retinopathie kann die Behandlung durch eine Laserbehandlung erfolgen, durch die das Gewebe fester miteinander verwächst, um eine Netzhautablösung zu verhindern.

 

Quellen:
American Diabetes Association. Microvascular Complications and Foot Care. Sec. 10. In Standards of Medical Care in Diabetes – 2017. Diabetes Care 2017; 40 (Suppl. 1): 88–98

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Diabetes – Schäden an der Netzhaut: Vorbeugen und behandeln. PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie 2016; 2. Auflage. Version 2. [cited: 02.01.2018]. Available from: www.netzhautkomplikationen.versorgungsleitlinien.de

Bundesärztekammer (BÄK) Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes, Nationale VersorgungsLeitlinien 2015; Langfassung, Version 2

Tags
Mehr
Klinische Studien