Typ-1-Diabetes

Antikörper Teplizumab kann die Entwicklung von Typ-1-Diabetes verzögern

Bei Verwandten von Menschen mit Typ-1-Diabetes, die selbst ein hohes Erkrankungsrisiko haben, kann eine Antikörper-Therapie die Zerstörung der Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse hinauszögern. In einer Studie wurde der Krankheitsbeginn der mit dem Antikörper Teplizumab behandelten Personen um 2 Jahre nach hinten verschoben.

Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Dabei werden die Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse von sogenannten Autoantikörpern des eigenen Immunsystems zerstört. Genetisch gefährdete Menschen tragen auch in der ersten symptomfreien Phase bereits bestimmte Autoantikörper im Blut, die auf eine Diabetes-Erkrankung hinweisen.

Schutz für Betazellen

Bei einem neuen Konzept zur Vorbeugung von Typ-1-Diabetes mit einem Immuntherapeutikum, soll die Zerstörung der Betazellen durch die T-Lymphozyten gemindert werden. Bei diesem Therapeutikum handelt es sich um den Antikörper Teplizumab. Teplizumab verändert die an der Zerstörung der Insulin-produzierenden Betazellen beteiligten T-Lymphozyten. Daher hofft man, dass eine Behandlung mit Teplizumab die Entstehung des Typ-1-Diabetes bei bestimmten Patientinnen- und Patientengruppen bremsen oder gar aufhalten kann. Dabei sind Menschen gemeint, bei denen das Risiko an Typ-1-Diabetes zu erkranken erhöht ist, also bei Verwandten von Menschen mit Typ-1-Diabetes, bei denen bereits Autoantikörper und eine gestörte Glukosetoleranz vorliegen.

Mindestalter: 8 Jahre

Ein internationales Forschungsteam in den USA, Kanada und an der Technischen Universität (TU) in München hat diesen Ansatz untersucht. Hierzu haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine randomisierte Placebo-kontrollierte Phase-II-Studie bei 76 Verwandten von Menschen mit Typ-1-Diabetes durchgeführt. Die Teilnehmenden waren mindestens 8 Jahre alt, hatten noch keinen Typ-1-Diabetes, wiesen jedoch mindestens 2 Antikörper auf, die auf eine Autoimmunreaktion gegen die Betazellen hindeuten.

Die Teilnehmenden wurden zufallsverteilt auf einen 14-tägigen Behandlungszyklus mit entweder Teplizumab oder Placebo. Das Medikament wurde den Patientinnen und Patienten täglich in einem Forschungszentrum intravenös gespritzt. Der anderen Gruppe wurde über den gleichen Zeitraum das Placebo gespritzt. Untersucht wurde, wie lange es dauerte, bis die Teilnehmenden an einem Typ-1-Diabetes erkrankten. Das Forschungsteam analysierte, ob die Menschen, die mit Teplizumab behandelt wurden, später an Diabetes erkrankten, als die Menschen, die das Placebo erhielten.

2 Jahre länger Diabetes-frei

Nach einem Beobachtungszeitraum von mehr als 2 Jahren stellte das Forschungsteam fest, dass die Gabe von Teplizumab die Entstehung des Typ-1-Diabetes um 2 Jahre hinauszögerte. Im Schnitt wurde bei den mit Teplizumab behandelten Patientinnen und Patienten nach 4 Jahren ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert; in der Placebo-Gruppe schon nach rund 2 Jahren. Über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 745 Tagen waren 43 % der Patientinnen und Patienten in der Teplizumab- und 72 % in der Placebo-Gruppe erkrankt.

Am stärksten schien Teplizumab innerhalb des 1. Jahres nach dem Behandlungszyklus zu wirken. Während dieses Zeitraums entwickelten nur 7 % der behandelten, jedoch 44 % der nicht behandelten Patientinnen und Patienten einen Typ-1-Diabetes.

Häufigste Nebenwirkung war, wie in vorherigen Studien mit Teplizumab bei Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes, ein vorübergehender Rückgang der Lymphozyten (Lymphopenie). Die Werte normalisierten sich aber bei 75 der Betroffenen nach 1,5 Monaten wieder. Bei einer Person normalisierte sich der Wert erst nach 105 Tagen.

Wiederholte Behandlung könnte die Wirkung verstärken

In dieser kleinen Studie durchliefen die Teilnehmenden nur einen 14-tägigen Behandlungszyklus mit dem Antikörper Teplizumab. Ob ein erneuter Therapiezyklus die Entwicklung des Typ-1-Diabetes bei dieser Hochrisikogruppe weiter hinauszögere oder die therapeutische Wirkung verlängere, sei unklar, schreibt das Forschungsteam. Möglicherweise könne das jedoch auch zu einer vermehrten Antikörperbildung gegen Teplizumab führen, geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu bedenken.
Weitere funktionelle Studien sind nötig, um die Ergebnisse zu überprüfen.

Quelle:
Herold KC et al. An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes. N Engl J Med 2019; 38:603-613

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Klinische Studien