Ursachen / Risikofaktoren

Adipositas (Fettleibigkeit)

Übergewicht, welches ab einem bestimmten Grad auch Fettsucht oder Fettleibigkeit (Adipositas) genannt wird, ist eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körpergewichts.

Normales Körpergewicht wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert durch ein größenkorrigiertes Maß für das Körpergewicht, den sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Dies ist der Quotient von Körpergewicht (in Kilogramm) und Größe (in Meter). Als normalgewichtig gelten demnach Erwachsene mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m². Übergewicht ist definiert als BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m², Adipositas als BMI von 30 kg/m² oder mehr (Tabelle). Weiterhin wird zwischen drei verschiedenen Ausprägungsgraden der Adipositas unterschieden.

Gerade in den westlichen Industrieländern ist in den letzten 40 Jahren eine erhebliche Zunahme der Zahl stark übergewichtiger Menschen zu beobachten.
In den USA hat die Häufigkeit der Adipositas bei Erwachsenen von 23,3 Prozent im Jahr 1991 auf gegenwärtig 36,5 Prozent zugenommen. Diese Zunahme zeigt sich auch in Europa: laut Schätzungen der WHO hat sich der Anteil adipöser Menschen in vielen europäischen Ländern seit den 1980er Jahren verdreifacht.
In Deutschland sind derzeit 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig, etwa ein Viertel davon ist adipös.

Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern geht mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, Risiken und Symptomen einher, die von den Betroffenen aber auch von Ärzten oft nicht als behandlungsbedürftig wahrgenommen werden. Übergewicht gilt eher als ein Mangel an Selbstkontrolle, der durch entsprechende Disziplin selbst behandelt werden kann. Entsprechend orientieren sich Übergewichtige und Adipöse an Diätprogrammen in Zeitschriften, verwenden frei im Handel erhältliche Diätprodukte und befolgen unterschiedliche Abnehmprogramme mit meistens nur mäßigem Erfolg.
In der letzten Zeit zeichnet sich jedoch ein Wandel ab, insofern die mit Adipositas verbundenen Krankheitsrisiken von den Betroffenen nach entsprechenden Medienberichten zunehmend wahrgenommen werden.

Definition

Übergewicht, welches ab einem bestimmten Grad auch Fettsucht oder Fettleibigkeit (Adipositas) genannt wird, ist eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts.
Normales Körpergewicht wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert durch ein größenkorrigiertes Maß für das Körpergewicht, den sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Dies ist der Quotient von Körpergewicht (in Kilogramm) und Größe (in Meter). Als normalgewichtig gelten demnach Erwachsene mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m². Übergewicht ist definiert als BMI > 25 kg/m², Adipositas als BMI > 30 kg/m² (Tabelle). Weiterhin wird zwischen drei verschiedenen Ausprägungsgraden der Adipositas unterschieden.

Tabelle: BMI-Richtgrößen
Klassifizierung BMI
Untergewicht unter 18,5 kg/m2
Normalgewicht 18,5 bis 24,9 kg/m2
Übergewicht 25 bis 29,9 kg/m2
Adipositas

1. Grades
2. Grades
3. Grades

ab 30 kg/m2

30 bis 34,9 kg/m2
35 bis 39,9 kg/m2
über 40 kg/m2

TIPP: In der rechten Leiste bzw. bei Mobilgeräten weiter unten finden Sie unseren BMI-Rechner, mit dem Sie Ihren persönlichen BMI ganz einfach durch die Eingabe von Körpergrösse und Körpergewicht berechnen können.

Eine Adipositas entsteht, wenn mehr Energie zugeführt als verbraucht wird. Hierbei steht eine zu hohe Nahrungsaufnahme einer zu geringen körperlichen Aktivität gegenüber. Jedoch sind auch andere Ursachen an der Entstehung einer Adipositas beteiligt:

  • größere Portionen und ständige Verfügbarkeit energiereicher Nahrung
  • höherer Kaloriengehalt der Nahrungsmittel
  • Mangel an Ballaststoffen
  • Abnahme körperlicher Aktivität durch Arbeitsumstände und Lebensstil
  • Mangel an Sportunterricht an Schulen
  • Familiäre Disposition, genetische Ursachen
  • Stress, Schlafmangel und depressive Erkrankungen
  • Essstörungen
  • Endokrine Erkrankungen (zum Beispiel Hypothyreose, Cushing Syndrom)
  • Medikamente (zum Beispiel manche Antidepressiva, Antidiabetika, Kortisonpräparate oder Mittel gegen Bluthochdruck (Betablocker))

Warum birgt Adipositas ernsthafte Gefahren für die Gesundheit?

Übergewicht bzw. Adipositas gehen mit einem hohen Risiko für die Ausbildung verschiedenster Erkrankungen und mit einer verringerten Lebenserwartung einher.

Das Körpergewicht ist eng verknüpft mit dem Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Bei Übergewicht und Adipositas steigt das Risiko je nach Ausprägung um bis zum 30-fachen an. Durch das Überangebot an Glukose und den dauerhaft erhöhten Insulinspiegel sinken die Sensibilität sowie die Anzahl der Insulinrezeptoren. Das ausgeschüttete Insulin reicht nicht mehr aus, um die Glukose abzubauen. Der Körper leidet somit unter einem relativen Insulinmangel und muss vermehrt neues Insulin bilden. Dies führt zu einer Überbeanspruchung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), was wiederum zu einer Erschöpfung des Organs und zu einer Ausbildung eines Typ-2-Diabetes führt.

Adipositas führt zu Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen. Die Kombination von Adipositas mit einem gestörten Zuckerstoffwechsel und Bluthochdruck wird auch als metabolisches Syndrom bezeichnet. Bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms ist das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall um das zwei- bis vierfache erhöht.

Übergewichtige haben zudem ein erhöhtes Risiko, an Tumoren des Darms, der Speiseröhre, der Nierenzellen, des Gebärmutterkörpers und der Brust zu erkranken. Seit 2016 wird ein erhöhtes Risiko für acht weitere Krebsarten mit Adipositas in Verbindung gebracht, darunter Leber, Bauchspeicheldrüse oder Schilddrüse. Adipositas ist zudem mit Magen-Darm-Erkrankungen, Lungenerkrankungen und hormonellen Störungen assoziiert.

Adipositas führt in den westlichen Ländern häufig zu einer sozialen Ausgrenzung der Betroffenen. Die Folgen sind Depressionen, verminderte Teilnahme am sozialen Geschehen sowie Minderung des Selbstwertgefühls. Durch die eingeschränkte körperliche Beweglichkeit kommt es zu einer Verminderung der Lebensqualität in vielen Bereichen des Lebens und verstärkt den Leidensdruck der betroffenen Personen.

Behandlung

Die Behandlungsziele müssen realistisch und den individuellen Voraussetzungen angepasst sein. Die Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit hoher Rückfallquote, daher muss über die eigentliche Phase der Gewichtsabnahme eine langfristige Gewichtskontrolle erreicht werden. Ein weiteres Behandlungsziel ist die Verbesserung der Adipositas-assoziierten Risikofaktoren und Krankheiten sowie eine Steigerung der Lebensqualität.

Die Behandlung der Adipositas beruht auf den drei Säulen Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie. Nur in speziellen Fällen kommen medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen in Betracht.

Ernährung

Eine Reduktion des Körpergewichtes ist nicht mit einem absoluten Verzicht auf sämtliche Genussmittel verbunden. Es kommt vielmehr auf die Ausgewogenheit und Menge der Mahlzeiten an. Die Grundlage für eine Therapie ist die Kalorienreduktion mit Einschränkung des Fettanteils der Nahrung auf etwa 30 Prozent, wobei der Anteil gesättigter Fettsäuren 10 Prozent nicht überschreiten sollte. Kohlenhydrate sollten 50 bis 55 Prozent und Proteine die restlichen 15 bis 20 Prozent des Energiebedarfes decken. Sehr wichtig ist ein hoher Ballaststoffanteil sowie mehrmals am Tag der Verzehr von Obst und Gemüse.

Zur Gewichtsabnahme sollte die Energieaufnahme um etwa 300 bis 500 kcal unter dem Tagesbedarf liegen. Mit dieser Strategie lässt sich eine Gewichtsreduktion um etwa ein bis zwei Kilogramm pro Monat erreichen. Auch wenn dieser Gewichtsverlust von ein bis zwei Kilogramm pro Monat dem Betroffenen als zu gering erscheinen mag, muss bedacht werden, dass es sich hierbei um eine langfristige Gewichtsreduktion handelt, die auch von Dauer sein soll. Eine weitere eigenmächtige Unterschreitung der Kalorienmenge sollte vermieden werden, um gesundheitliche Risiken auszuschließen und den berühmten Jojo-Effekt zu vermeiden.
Muss aus medizinischen Gründen, beispielsweise vor einer Operation, ein kurzfristig hoher Gewichtsverlust erreicht werden, kommen auch Kostformen mit sehr niedriger Energiezufuhr (Gesamtenergiemenge 800 bis 1200 kcal pro Tag) in Betracht. Diese dürfen jedoch maximal 12 Wochen und nur unter ärztlicher Aufsicht beibehalten werden.

Bewegung

Körperliche Aktivität führt zu einem erhöhten Energieverbrauch und trägt zur Gewichtsreduktion und zur Gewichtsstabilisierung bei.

Ein Energieverbrauch von mindestens 2500 kcal pro Woche ist nötig, um das Gewicht messbar zu reduzieren. Dies entspricht etwa 5 Stunden zusätzlicher körperlicher Bewegung pro Woche. Zur Erhaltung des Wunschgewichtes nach der ersten Phase der Gewichtsreduktion werden 3 bis 5 Stunden zusätzliche Bewegung empfohlen. Die gewählte Sportart und auch die Intensität der Bewegung müssen dem gesundheitlichen Ausgangszustand des Betroffenen sowie seinen Neigungen entsprechen. Der oder die Betroffene sollte Spaß an der Bewegung haben und sie nicht als Strafe empfinden. Ausdauersportarten wie Wandern, Joggen, Walken und das gelenkschonende Schwimmen sind besonders empfehlenswert.

Bei besonders bewegungsarmen beruflichen Tätigkeiten empfiehlt es sich, jede Form der Bewegung zu nutzen. Oft hilft es schon, häufig benötigte Arbeitsgeräte außerhalb der bequemen Reichweite zu platzieren, so dass eine sitzende Tätigkeit häufig unterbrochen werden muss. Auch die Benutzung der Treppe anstelle des Fahrstuhls sowie der Verzicht auf das Auto für kürzere Wege sind ratsam.

Verhaltenstherapie

Um das Körpergewicht auch langfristig stabil zu halten, müssen neben der Umstellung des Speiseplans auch häufig die bisherigen Lebensgewohnheiten umgestellt werden.
Sehr wichtig ist das Erlernen der langsamen Nahrungsaufnahme. Viele Betroffene nehmen sich keine Zeit für das Essen, so dass sich das Sättigungsgefühl erst dann einstellt, wenn sie bereits mehr Nahrung als nötig aufgenommen haben. Auch die Selbstbeobachtung des Ess- und Trinkverhaltens mit Hilfe eines Ernährungstagebuches kann sehr hilfreich sein. Dadurch können die auslösenden Faktoren, die zu Störungen des Essverhaltens führen, analysiert werden.

Medikamentöse Therapie

Eine zusätzliche medikamentöse Therapie (d.h. nur nur in Kombination mit einem Basisprogramm aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie) kommt für übergewichtige Patienten mit einem Body-Mass-Index von mehr als 28 in Betracht, bei denen zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, oder bei Patienten mit einem Body-Mass-Index über 30, bei denen sich durch Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie nicht der gewünschte Erfolg einstellt. Die medikamentöse Therapie sollte auch nur dann fortgesetzt werden, wenn innerhalb der ersten 4 Wochen eine Gewichtsabnahme von wenigstens 2 Kilogramm zu verzeichnen ist.
Derzeit wird nur das Medikament Orlistat zur medikamentösen Therapie empfohlen.

Orlistat

Zur Aufnahme und Verwertung von Fetten durch den Körper ist eine vorherige Spaltung dieser durch das Enzym Lipase notwendig. Orlistat hemmt das Enzym Lipase im Darm, so dass die Aufnahme von Fetten um etwa 30 Prozent reduziert wird. Mit dem Einsatz dieses Medikamentes kann eine zusätzliche Gewichtsreduktion um 2 Kilogramm erreicht werden. Häufige Nebenwirkungen sind weiche Stühle, gesteigerter Stuhldrang und Blähungen. Bei 5 bis 15 Prozent der Betroffenen kam es zu einer verminderten Aufnahme fettlöslicher Vitamine.

Chirurgische Therapie

Eine chirurgische Therapie kann für Patienten mit Typ-2-Diabetes mit einem BMI von 35 kg/m² und darüber in Betracht kommen (in Sonderfällen bei einem BMI zwischen 30 und 35), wenn alle anderen Therapieversuche erfolglos waren. Die Verfahren der Wahl sind derzeit Eingriffe am Magen wie die Implantation eines anpassbaren Magenbandes oder ein Magenbypass. Dies hat zur Folge, dass der Betroffene nur noch kleinere Nahrungsportionen zu sich nehmen kann. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist bei den meisten Patienten eine mittlere Gewichtsreduktion von 20 bis 30 Kilogramm innerhalb von 24 Monaten zu erreichen. Die Indikation zu dieser Maßnahme muss allerdings streng geprüft werden.
Eine Fettabsaugung (Liposuktion) ist ein Verfahren der plastischen Chirurgie, welches zur lokalen Entfernung überschüssiger Fettdepots eingesetzt werden kann. Dieses Verfahren kann zur Behandlung der Adipositas aber nicht empfohlen werden. Insbesondere wird damit auch das Risikoprofil von Menschen mit Adipositas nicht verbessert.

Fazit

Je länger Übergewicht besteht und je stärker der Ausprägungsgrad ist, umso schwieriger gestaltet sich die Therapie und die Behandlung der Adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen. In einigen Fällen können diverse Folgeerkrankungen nicht mehr geheilt werden. Aus diesen und auch gesundheitswirtschaftlichen Aspekten müssen von Seiten der Gesundheitspolitik sowie von der Seite der Bevölkerung alle Anstrengungen unternommen werden, die Entstehung von Adipositas zu verhindern.

 

Quellen:
Pfeiffer AF. Zertifizierte Fortbildung. Adipositas. Ärztliche Praxis 2004; Beilage zu Nr. 90/91 

Hauner H et al. Prävention und Therapie der Adipositas. Evidenzbasierte Diabetes-Leitlinie DDG. Hrsg. Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Diabetes und Stoffwechsel 2013; Band 12, Suppl. 2

Ogden CL et al. Prevalence of Obesity Among Adults and Youth: United States, 2011-2014. NCHS Data Brief 2015; 219: 1-8

World Health Organization. Health topics: Obesity. http://www.euro.who.int/en/health-topics/noncommunicable-diseases/obesity/obesity (zuletzt verwendet: 30.06.2017)

Robert Koch Institut. Gesundheitsmonitoring: Übergewicht und Adipositas. http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Uebergewicht_Adipositas/Uebergewicht_Adipositas_node.html (zuletzt verwendet: 30.06.2017)

Lauby-Secretan B et al. International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group. Body Fatness and Cancer – Viewpoint of the IARC Working Group. N Engl J Med 2016; 375:794-798

Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V., Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V., Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) e.V. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas “. Deutsche Adipositas-Gesellschaft 2014; Version 2

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Klinische Studien