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Adipositas-OP kann Typ-2-Diabetes rückgängig machen

Extremes Übergewicht geht oft mit Typ-2-Diabetes einher. Eine Adipositas-OP (bariatrische OP) kann den Blutzuckerspiegel senken und manchmal sogar normalisieren. Der Operationserfolg hängt in erster Linie davon ab, wie viel Gewicht abgenommen wird.

Immer mehr Menschen sind stark übergewichtig

Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht nimmt in Deutschland und anderen Industrienationen immer weiter zu. Eine häufige Krankheitsfolge ist der Typ-2-Diabetes. Untersuchungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und sehr starkem Übergewicht (BMI ≥35 kg/m2) zeigen, dass eine Adipositas-OP die Blutzuckerspiegel senken oder sogar normalisieren kann.

Eine Forschergruppe aus Großbritannien wollte mehr darüber erfahren, bei welchen Patienten die Adipositas-OP besonders erfolgversprechend ist. Konkret sind die Wissenschaftler der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Diabetesdauer und die mittels OP erreichte Gewichtsreduktion auf die Blutzuckerwerte haben.

Adipositas-OP führt zu einer verringerten Nahrungs- und/oder Nährstoffaufnahme

Bei der Adipositas-Chirurgie, die man auch als bariatrische Operationen bezeichnet, wird das Fassungsvermögen des Verdauungstraktes verkleinert oder/und die Aufnahme von Nährstoffen eingeschränkt. Hierfür gibt es verschiedene chirurgische Verfahren. Bei der Schlauchmagen-Methode entfernt der Operateur z. B. den größten Teil des Magens. Der Restmagen hat hierdurch ein deutlich verringertes Fassungsvermögen. Bei einem so genannten Magenbypass wird neben der Verkleinerung des Magens auch der Dünndarm weiter unten durchtrennt und mit dem verbliebenen Magen-Rest verbunden. Entsprechend fehlen dann für die Nährstoffaufnahme und -verwertung rund 1,5 Meter Dünndarm. Darüber hinaus gibt es noch weitere Methoden. Nach der Operation muss der oder die Betroffene eine spezielle Ernährung einhalten.

Untersuchung bei 89 Patienten mit Typ-2-Diabetes

Die Wissenschaftler aus Großbritannien sammelten Daten von 89 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Alle Patienten hatten sich in den Jahren 2009 bis 2011 in einem spezialisierten Zentrum einer Adipositas-OP unterzogen. Für die Studienteilnahme musste der HbA1c-Wert vor dem chirurgischen Eingriff oberhalb von 6,1 Prozent liegen (>43 mmol/mol). Die Dauer der Diabeteserkrankung vor der Operation teilten die Wissenschaftler ein in:

  • kurz, d. h. weniger als 4 Jahre (26 Patienten)
  • mittel, d. h. 4-8 Jahre (36 Patienten)
  • lang, d. h. über 8 Jahre (27 Patienten)

Vor der OP war die Diabeteserkrankung bei den meisten Patienten mit Tabletten eingestellt. Insgesamt 15 der 89 Patienten hatten auch Insulin erhalten.

Blutzuckerwerte normalisierten sich bei Gewichtsverlust >25 kg

Einen Ziel-HbA1c-Wert von weniger als 6,1 Prozent (<43 mmol/mol) erreichten 62% der Patienten mit einer kurzen und 26% der Teilnehmer mit einer langen Diabetesdauer. Im Durschnitt nahmen die Patienten nach der Adipositas-OP rund 22 kg an Gewicht ab. Dies entspricht 18 Prozent ihres Ausgangsgewichtes. Wie erfolgreich sich die Blutzuckerwerte nach der OP in Richtung Normalbereich bewegten, hing stark mit dem Grad des Gewichtsverlustes zusammen – vor allem bei Patienten mit einer langen Diabetesdauer. Hier wurden Blutzuckerwerte im Normalbereich nur selten erreicht, wenn weniger als 25 kg an Körpergewicht durch die OP abgenommen wurde. Insgesamt – d. h. über alle Patienten betrachtet, unabhängig von der Diabetesdauer – stellten sich normale Blutzuckerwerte bei 61% der Patienten mit einem Gewichtsverlust >25 kg ein, verglichen mit 41% in der Gruppe, die weniger als 25 kg nach der OP abnahmen.

Das Fazit der Studienautoren

Für die blutzuckersenkende Wirksamkeit einer Adipositas-OP bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ist das Ausmaß der erreichten Gewichtsabnahme entscheidend. Das trifft ganz besonders für Patienten zu, bei denen die Diabeteserkrankung bereits seit längerem (>8 Jahre) bekannt ist.

 

Quelle:
Steven S et al. Reversal of Type 2 diabetes after bariatric surgery is determined by the degree of achieved weight loss in both short- and long-duration diabetes. Diabet Med 2015; 32: 47-53

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Klinische Studien