Prävention

Ab wann sind Programme zur Lebensstiländerung sinnvoll?

Das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt bereits bei leicht erhöhten Nüchtern-Blutzuckerwerten an, auch wenn die Werte unterhalb der Diabetes-Schwelle liegen. Wer von leicht erhöhten Blutzuckerwerten betroffen ist, kann der Erkrankung mit wirksamen Maßnahmen vorbeugen: Dazu gehört die Umstellung der Lebensweise mit Anpassung von Ernährung, Gewichtsabnahme und mehr körperlicher Bewegung.

Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass spezielle Schulungen bei der Umsetzung solcher Lebensstiländerungen eine große Hilfe sein können. Das allerdings kostet Geld. Eine US-Studie ist der folgenden Frage nachgegangen: Ab welchem Nüchtern-Blutzuckerwert stehen die Kosten für Programme zur Lebensstiländerung in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen der Diabetes-Prävention – oder andersherum: Welche Patientinnen und Patienten sollten in ein Programm zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes aufgenommen werden?

Ein von den US-amerikanischen Gesundheitsbehörden vor mehr als einem Jahrzehnt gefördertes Projekt, das Diabetes-Präventionsprogramm (DPP), belegt die Wirksamkeit der Lebensstiländerung. Das Programm gab folgende Ziele vor: Verringerung des Körpergewichts um 7 % durch eine fett- und kalorienarme Diät und mindestens 150 Minuten körperliche Bewegung pro Woche (z.B. zügiges Gehen). Damit konnte das Diabetes-Risiko von gefährdeten Personen im 3-jährigen Beobachtungszeitraum um weit mehr als 50 % gesenkt werden. Die Kosten für das zugehörige Schulungsprogramm lagen pro Teilnehmer bei rund 1800 US-Dollar im 1. und jeweils 900 US-Dollar im 2. und 3. Jahr.

Für die aktuelle Kosten-Nutzen-Analyse verwendete das US-Forschungsteam Modellsimulationen, die sich unter anderem an den Ergebnissen des Diabetes-Präventionsprogramms orientieren. Zusätzlich wurden Daten aus der ebenfalls international bekannten ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities study) berücksichtigt, die für verschiedene Nüchtern-Blutzuckerwerte das Risiko für einen zukünftigen Typ-2-Diabetes errechnet hat. Aus der UKPD-Studie (UK Prospective Diabetes Study) wurden Ergebnisse zum Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herzgefäßerkrankungen und Schlaganfall aufgenommen, die allesamt eng mit dem Typ-2-Diabetes verbunden sind.

Die Modellsimulationen wurden für Personen mit einem Alter von 45 Jahren oder darüber durchgeführt. Das Ergebnis: Ab einem Nüchtern-Blutzuckerwert von 105 mg/dl (5,8 mmol/l) erwies sich ein Programm zur Diabetes-Vorbeugung als „kosteneffektiv“. Dies bedeutet im Fachjargon der Gesundheitsökonominnen und ökonomen folgendes: Die Kosten für ein gewonnenes QUALY („quality adjusted life year“) lagen unterhalb der international als vertretbar angesehenen Obergrenze von 50000 US-Dollar. Als QUALY wird ein Lebensjahr bezeichnet, das eine Person in voller Gesundheit verbringt.

Fazit

Die Studie aus den USA zeigt anhand von Modellrechnungen, dass Programme zur Lebensstiländerung bei diabetesgefährdeten Personen ab Nüchtern-Blutzuckerwerten von 105 mg/dl (5,8 mmol/l) nicht nur aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll, sondern auch ökonomisch vertretbar sein können. Diese Thematik auch für deutsche Verhältnisse weiter zu beleuchten, wird eine Aufgabe der Zukunft sein . Allerdings sollten neben dem finanziellen Aspekt auch immer die individuellen gesundheitlichen Aspekte der Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden und das Wohl der Menschen im Vordergrund stehen.

 

Quelle:
Zhuo X et al. Cost-effectiveness of alternative thresholds of the fasting plasma glucose test to identify the target population for type 2 diabetes prevention in adults aged 45 years. Diabetes Care 2013; 36: 3992-3998

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Klinische Studien